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Die Heilung - Eine Geschichte vom Weitermachen

veröffentlicht am 17.10.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von DP Redaktion

Kinoticket

Kinoticket, Foto © pixabay/igorovsyannykov

Kinostart: 10.12.; Regie: Marcus Richardt und Lillian Rosa; Besetzung: Ingmar und Sara Hoerr.

Er ist Pionier der mRNA-Forschung und galt als chancenreicher Kandidat für den Nobelpreis. Sein Start-up CureVac avancierte mit seinem Corona-Impfstoff zum Hoffnungsträger in der Pandemie und stieg zum milliardenschweren Börsenunternehmen auf. Dann reißt eine Hirnblutung Ingmar Hoerr jäh aus seinem bisherigen Leben. Nur mühsam kämpft er sich zurück, auch privat folgen Rückschläge. Die Fallhöhe hat das Zeug zu einer klassischen Tragödie. Diese Doku erzählt von Triumphen und Niederlagen, von enormem Erwartungsdruck und familiären Problemen. Hoerr und seine Frau Sara sprechen mit großer Offenheit über ihr Leben und eine ungewöhnliche Begegnung mit Bill Gates. „All-in“ lautet das Motto des Biopics. Keine Biografie im braven Kleine-Karo-Stil von Wikipedia, aber auch keine unkritische Heldenverehrung des Objekts der cineastischen Begierde. Hoerrs Charisma und Erzähllust lassen die gefürchtete Talking-Head-Langeweile gar nicht erst aufkommen. „Wenn das funktioniert, kann man ja die ganze Medizin revolutionieren!“, sagt Hoerr gleich zu Beginn. Als Doktorand an der Universität Tübingen erkennt er früh das Potenzial der mRNA-Technologie und meldet 1999 mit Kollegen ein Patent an. Nur glauben will ihm da kaum jemand. Mit der Pandemie ändert sich die Lage, nun blickt die ganze Welt nach Tübingen und hofft auf einen Impfstoff. Während CureVac wächst, schrumpft die Zeit für die Familie. Die Doku begleitet den Forscher mit der Kamera. Interviews, Archivmaterial und eingeblendete Jahreszahlen geben die Richtung vor, einzelne Episoden werden nachgestellt. Vor der Kamera ist Ingmar Hoerr ganz in seinem Element. Er besitzt Selbstbewusstsein, Humor und Erzähllust, ohne sich selbst allzu wichtig zu nehmen. Auch über Zweifel und Fehlentscheidungen spricht er offen. Etwa, dass man Katalin Karikó nicht als Mitarbeiterin gewinnen konnte. Die spätere Nobelpreisträgerin würdigt Hoerr ausdrücklich als Pionier der mRNA-Forschung. Dessen Leben gerät dramatisch aus den Fugen. Hirnblutung und Koma. Der Tübinger Impfstoffkandidat scheitert. Über Nacht halbiert sich der Unternehmenswert. Natürlich grüble er manchmal, was gewesen wäre, hätte er selbst am Ruder gestanden, doch das sei müßig, sagt Hoerr. Am Ende erscheinen Unternehmenswert und Nobelpreis plötzlich ziemlich relativ. Entscheidend wird der menschliche Faktor. Sara Hoerr misst das Erreichte längst mit einem anderen Maßstab. Über den Vater ihrer Zwillinge sagt sie: „Er kann jetzt der beste Papa sein.“

Dieter Oßwald

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