Kinostart: 29.10.; Regie: Ulrike Ottinger;
Besetzung: Isabelle Huppert, Lars Eidinger, Conchita Wurst
Vampire gehen immer. Seit Stummfilmtagen beherrschen Blutsauger die Leinwand. Allein „Graf Dracula“ bringt es auf über 170 Versionen. Nun wird das Genre geadelt durch Dialoge einer Literaturnobelpreisträgerin. Elfriede Jelinek schreibt, Isabelle Huppert spielt: das klingt wie einst in „Die Klavierspielerin“ von Haneke. Diesmal sitzt freilich Ulrike Ottinger auf dem Regiestuhl. Die Avantgardistin wird ihrem Ruf als visueller Wirbelwind gerecht. Sie zelebriert opulente Schauplätze und Kostüme in einem opernhaften Rausch. Erzählt wird von der ungarischen Adeligen Erzsébet Báthory (Isabelle Huppert), die seit dem 17. Jahrhundert als Blutgräfin ihr Unwesen treibt. Gemeinsam mit Zofe Hermine (Birgit Minichmayr) taucht sie im heutigen Wien auf, um jenes brisante Buch aufzuspüren, welches die Macht besitzt, alles Böse zu vernichten. Für die Suche wird auch der Gräfin melancholischer Neffe Baron Bubi rekrutiert, dessen Psychotherapeut Theobald Tandem (Lars Eidinger) ihm nicht von der Seite weicht.
Anno 2009 wagte sich Julie Delpy mit „Die Gräfin“ bereits an das Thema der Blutsaugerin Báthory und scheiterte an bleischwerem Botschaftsballast. Ulrike Ottinger gibt dem Affen ordentlich Zucker bei ihrer Schnitzeljagd im Dreivierteltakt und inszeniert ihre Farce ohne Rücksicht auf dramaturgische Verluste. Was zählt sind Wiener Schmäh und Wiener Wow-Effekte. Wann bekommt mal solche Dialog-Albernheiten schon einmal aus der Feder einer leibhaftigen Literaturnobelpreisträgerin serviert? Der es offensichtlich besonderes Vergnügen bereitet, wenn die Vampirin sich in eine ahnungslose Bibliothekarin verbeißt. Sichtlichen Spaß hat auch Lars Eidinger an seiner Rolle als trottelhafter Therapeut, der im Riesenrad seinen Showdown erlebt. Als Sahnehäubchen darf Conchita Wurst ihren Eurovision-Siegertitel „Rise Like a Phoenix“ pompös und in voller Länge zum Besten geben. Beleuchtet wird sie dabei von den Strahlern auf den Gewehren der mitschunkelnden Polizei-Elite-Einheit Cobra. Mehr Tanz der Vampire mit Wiener Blut geht kaum.
Dieter Oßwald