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Vaterland

veröffentlicht am 18.08.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von DP Redaktion

Tomas Mann-Biopic: Vaterland

Tomas Mann-Biopic: Vaterland, Foto © Agata Grzybowska

Kinostart: 3.9., Regie: Pawel Pawloski
Darsteller: Hanns Zischler, Sandra Hüller, August Diehl u.a.

Der polnische Filmregisseur Pawel Pawlikowski, Jahrgang 1957, kann auf eine erstaunliche Karriere zurückblicken. Vom Dokumentarfilm kommend gewann er neben vielen anderen Auszeichnungen 2015 den Auslands-Oscar für „Ida“ als ersten polnischen Film überhaupt; es folgten zwei Europäische Filmpreise für „Ida“ und den Nachfolgefilm „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“ – und zuletzt den Regiepreis in Cannes für „Vaterland“.

Wir schreiben das Jahr 1949. Der weltberühmte Schriftsteller Thomas Mann (Hanns Zischler) hat sich entschieden, nach 16 Jahren im Exil in seine deutsche Heimat zurückzukehren, um in Frankfurt am Main den Goethe-Preis entgegenzunehmen. Begleitet wird er von seiner Tochter Erika (Sandra Hüller), sozusagen als Assistentin, die ihn nach Kräften unterstützt. Für Irritationen im US-amerikanischen Sektor sorgt es, dass Thomas Mann auch den Ostsektor Deutschlands besuchen will, in Weimar soll die lebende Legende geehrt werden. So bekommen es Vater und Tochter im Westen mit Nazi-Opportunisten wie Erikas Ex-Mann Gustav Gründgens oder den auch nicht unbescholtenen Nachkommen von Richard Wagner zu tun, während sie sich im Osten mit dem SED-Mann und Dichter Johannes R. Becher (Devid Striesow) oder einem literarisch versierten Sowjet-General auseinandersetzen müssen. Und über dieser komplexen Gemengelage schwebt das Schicksal der Familie Mann selbst: Während der Reise hat sich Erikas jüngerer Bruder Klaus (August Diehl) das Leben genommen.

Gerade mal rund 80 Minuten ist Pawel Pawloskis Film lang und ist dennoch enorm vielschichtig. Sich nicht zwingend an historische Fakten klammernd – die damalige Reise unternahm Thomas Mann nicht mit Erika, sondern mit seiner Frau Katia – entwerfen die Drehbuchautoren Pawlowski und Henk Handloegten („Babylon Berlin“) in kontrastreichen Schwarzweißbildern und in einem fast quadratischen Filmformat ein zerstörtes Deutschland, in dem Thomas Mann seine alte Heimat wiederfinden will und feststellen muss, dass hier zwei politische Systeme miteinander konkurrieren, die wenig Freiraum zum Denken lassen. Da erscheint Manns Versuch, dem in seinen Reden entgegenzuwirken, geradezu sinnlos. An seiner Seite: mit Erika eine Frau mit einer engen Verbindung zu Bruder Klaus, die zudem unter der Unnahbarkeit ihres Vaters leidet. Als dies zeigt Pawlowski mit einer genau beobachtenden Kamera, die sich kaum einmal bewegt und jede kleinste Regung des exquisiten Schauspiel-Ensembles einfängt. Und es gelingt ihm, in alle die Konflikte immer wieder einen leisen Humor einzuflechten. Großes, kluges Kino, das viel über deutsche Geschichte und Befindlichkeiten erzählt.

Martin Schwarz

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