Kinostart: 17.9., Regie: Pauline Roenneberg
Darsteller: Corinna Harfouch, Lea Drinda, Victoria Mayer, Karoline Herfurth u.a.
Pünktlich zu seinem 100. Geburtstag hat sich Hermann jenes Barbiturat geschnappt, das eigentlich für den Mops Berlusconi vorgesehen war, und sich mit einer Überdosis ins Jenseits verabschiedet. Seine deutlich jüngere Frau Marianne (Corinna Harfouch) ist entsprechend konsterniert, verheimlicht aber vorerst das Ableben des Gatten vor der allmählich eintreffenden Geburtstagsgesellschaft inklusive der drei Kinder des verstorbenen Patriarchen. Valerie (Victoria Mayer) sitzt im Rollstuhl und leitet einen Gnadenhof für alte Tiere. Karoline (Karoline Eichhorn) hat der Familie früh den Rücken gekehrt und kam irgendwann auf den Esoteriktrip. Und Kasimir (Thomas Mraz) hofft den Posten des Vorstandsvorsitzenden in der Familienstiftung. Doch leider ist Hermanns Testament abhandengekommen, das hat das Zimmermädchen Joy (Mai Duong Kieu) in der Tiefkühltruhe verschwinden lassen, weil ihr der Inhalt nicht gefiel – genau unter dem titelgebenden Kalten Hund, der als Nachtisch gedacht war.
Was sich nun entspinnt ist ein turbulenter Tag, bei dem all diese schwierigen Charaktere ihre Egos ausleben, bei dem eine von Karoline einberufene und vom Spezialisten Ingo Fleischmann (Niels Bormann) geleitete Familienaufstellung für Furore sorgt. Und zwischen all dem Chaos: die 17-jährige Fanny (Lea Drinda), die sich an diesem Tag wohl öfter wünscht, nicht zu diesem Clan dazuzugehören – und sich mit dem Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens vergnügt.
Eine Trauerfeier mit dem Toten einen Stock höher und eine Familienaufstellung habe es tatsächlich gegeben, versichert Autorin und Regisseurin Pauline Roenneberg, alles andere sei frei erfunden in dieser schwarzhumorigen Komödie, deren Dialoge auch durch Improvisation entstanden sind. Verlassen kann sich die Filmemacherin dabei auf ihr erstklassiges Schauspielensemble, angeführt von der großen Corinna Harfouch – niemand kann so herrlich konsterniert schauen wie sie. Mitunter hakt es ein wenig an Tempo und Dramaturgie, aber dieser Ausflug in eine sehr deutsche Familie inklusive dunkler Vergangenheit macht dennoch viel Spaß.
Martin Schwarz