Kinostarts

Hirten

veröffentlicht am 18.08.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von DP Redaktion

Filmspulen

Filmspulen, Foto © pixabay_MasterTux

Kinostart: 10.9., Regie: Sophie Draspe
Darsteller: Félix-Antoine Duval, Solène Rigot, Guilaine Londez u.a.

Mal alles hinschmeißen, aus dem Arbeitstrott ausbrechen, etwas ganz Anderes versuchen – jeder hat davon schon einmal geträumt. Mathyas (Félix-Antoine Duval) hat es getan, und zwar radikal. Den Werbejob in Montréal hat er gekündigt, die Bücher verschenkt, seine Wohnung weggegeben. Nun sitzt der Kanadier im wunderschönen französischen Arles und hofft auf eine Anstellung als Schäfer. Als Schäfer! Ahnung hat er keine, aber viel Leidenschaft. So viel Leidenschaft, dass sogar die Amtsangestellte Èlise (Solène Rigot) von Mathyas‘ Lebensplan fasziniert ist. Seine erste Anstellung führt ihn auf den heruntergekommenen Hof von Gérard Tellier (Bruno Raffaelli) und seinem Angestellten Ahmed (Michel Benizri). Gerade von ihm lernt der Jungschäfer sehr viel. Als er Telliers aggressiven Ausbrüche nicht mehr erträgt, ergreift Mathyas die Flucht – und das zusammen mit Élise, die ihren Job gekündigt und sich ihm angeschlossen hat. Zusammen mit dem Hütehund Hola treten sie in die Dienste von Cécile Espriroux (Guilaine Londez). Die sieht ihn den beiden jungen Leuten echtes Potenzial und betraut sie mit einer schwierigen Aufgabe: Mathyas, Élise und der Helfer Dudu (David Ayala) sollen die rund 800 Schafe von Cécile hoch in die provenzalischen Alpen bringen und dort den Sommer über hüten. Viele Gefahren lauern, vor allem das Wetter – und Wölfe.

In seinem autobiografischen Buch „Woher kommst du, Hirte?“ hat der Kanadier Mathyas Lefebure seine eigenen Erfahrungen als Aussteiger und Schäfer verarbeitet und war nun zusammen mit Regisseurin Sophie Draspe an der Drehbuchentwicklung beteiligt. Beiden ist ein hinreißender Spielfilm gelungen, bei der sie die fast märchenhaft anmutende Geschichte von Mathyas mit einer realistischen Umgebung verknüpfen, mit vielen echten Schäfern in Nebenrollen, mit authentischen Settings und einer großartigen Landschaft, zuerst in der Provence und dann in den Westalpen. Mit Mathyas als idealer Identifikationsfigur erleben wir das harte Hirtendasein mit all seinen Höhen und Tiefen, spüren den ökonomischen Druck, der auf den Schäfereien lastet, erfreuen uns mit ihm an den Tieren und der Natur. Zugleich entspinnt sich zwischen Mathyas und Élise eine zarte Liebesgeschichte. Ein ungewöhnlicher, bewegender Film, der uns in eine fremde Welt führt, eine Welt, die immer stärker bedroht ist, auch wegen des Klimawandels.
Martin Schwarz

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