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Der Heimatlose

veröffentlicht am 18.08.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von DP Redaktion

Preisgekröntes Drama: Der Heimatlose

Preisgekröntes Drama: Der Heimatlose, Foto © Florian Mag

Kinostart: 27.8.; Regie: Kai Stänicke
Darsteller: Paul Boche, Pahilip Frossant, Emilia Schüle

Rigorose Filme lassen sich hierzulande an einer Hand abzählen; die verkrusteten Filmförderstrukturen sorgen für gefälliges Einerlei in Endlosschleife. „Mehr Kino wagen“ heißt die erfrischende Devise von Kai Stänicke, zur Belohnung gab es prompt eine Berlinale-Einladung für sein Debüt. Schauplatz ist eine winzige Siedlung auf einer kleinen Insel in der Nordsee. Vor vierzehn Jahren hat Hein das Eiland verlassen, nun kehrt der 30-Jährige in seine alte Heimat zurück. Der Empfang fällt überraschend frostig aus: Die Einwohner wollen oder können den Besucher nicht als einen der Ihren erkennen, selbst seine Mutter oder der Jugendfreund Friedemann halten Hein für einen Fremden. Um Licht in die mysteriöse Sache zu bringen, wird ein Dorfgericht einberufen. Zur Wahrheitssuche sollen Zeugen und Hein sich unabhängig voneinander an damalige Ereignisse erinnern. Die Erinnerungen unterscheiden sich jedoch enorm, Lügen und Geheimnisse bestimmen das Bild.

Wie Lars von Trier in „Dogville“ setzt auch Kai Stänicke in seiner Parabel über Außenseiter und Toleranz auf Verfremdung à la Brecht. Die Häuser bestehen aus bloßen Kulissen, ein aufgemalter Boden sowie ein, zwei offene Wände genügen als Behausung. Ähnlich theaterhaft präsentiert sich das Dorfgericht, das in den Dünen auf Bänken unter freiem Himmel tagt. „Komm zu!“ lautet eine häufige Aufforderung der knorrigen Insulaner. So minimalistisch die Kulissen dieser archaischen Welt, so reduziert das Schauspiel. Da braucht es charismatische Darsteller, um die ambivalenten Figuren zugänglich zu machen. Allen voran Paul Boche, der leinwandpräsent den verzweifelten Helden Hein gibt. Ähnlich überzeugend als dessen Jugendfreund agiert Philip Froissant, der für seinen Netflix-Auftritt in „Die Kaiserin“ einen Emmy und den Deutschen Fernsehpreis abgeräumt hat. Hinter der stoischen Fassade spürt man die unterdrückten und doch brodelnden Emotionen. Mit solch überzeugenden Mimen lässt sich kompromissloses Kino locker stemmen!
Dieter Oßwald

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