Kinostart: 27.8.; Regie: Jaume Claret Muxart
Besetzung: Jan Monter, Francesco Wenz, Nausicaa Bonnín
Am Anfang ist der Wald. Bäume, Äste, Stämme und Blätter rauschen verschwommen an der Kamera entlang. Die visuelle Ouvertüre gibt den Stil vor für dieses Coming-of-Age-Drama, das eine katalanische Familie beim Rad-Urlaub entlang der Donau begleitet. Die Eltern schwelgen in Erinnerungen an ihre Jugend. Mama Monika nutzt die Muse, um sich auf ihre Rolle in Hölderlins „Tod des Empedokles“ vorzubereiten. Der sechzehnjährige Dídac wird von den beiden kleineren Brüdern in Beschlag genommen. Dabei hätte der Teenager lieber seine Ruhe, trauert er doch einer unerwiderten Liebe hinterher. Weil Papa leidenschaftlicher Bauhaus-Fan ist, steht ein Ausflug zur Ulmer Hochschule für Gestaltung auf dem Plan. Dídac reagiert gelangweilt auf das Kulturprogramm. Doch plötzlich taucht ein gleichaltriger Fremder auf und alle Sorgen sind vergessen. Das Duo tanzt vergnügt durch die Uni, um sich später lange in den Armen zu liegen und verträumt in die Wolken zu starren. Ist der mysteriöse Fremde tatsächlich real? Oder ist alles nur geträumt? Es passiert nicht viel in diesem Coming-of-Age-Drama, das Drehbuch passt auf den berühmten Bierdeckel und selbst da bliebe noch reichlich freier Platz. Doch der Weg ist das Ziel. Das Teenager-Leben ist ein langer, ruhiger Fluss. Wer sich auf die meditative Erzählweise einlässt, wird mit einem assoziativen Kinotrip der besonderen Art belohnt. Als teilnehmender Beobachter ist die Kamera bei dieser sommerlichen Odyssee stets mittendrin statt nur dabei. Das unaufgeregte Tempo des Films passt zur Lethargie des jungen Helden. Gedreht auf gutem alten 16mm-Material, sorgen die visuellen Welten entlang der Donau-Wellen für einen hypnotisierenden Leinwandsog mit meditativer Wirkung. Der 27-jährige Jaume Claret Muxart wurde mit seinem Kinodebüt nicht nur nach Venedig und San Sebastian eingeladen, sondern zudem für stolze acht Gaudí Awards nominiert. Kein ganz so schlechter Coup für eine Kinokarriere. Dieses rigorose Coming-of-Age-Drama hat allemal Klassiker-Qualitäten.
Dieter Oßwald