Kinostart: 1.10.; Regie: Harald Sicheritz
Darsteller: Nils Arztmann, Maya Unger, Soi Schüssler
Politiker belegen auf der Beliebtheitsskala der Berufe chronisch die hinteren Plätze. Lichtgestalten kann man an ein, zwei Händen abzählen. Brandt. Mandela. Kennedy. Auch der österreichische Kanzler Bruno Kreisky gehört in diesen Kreis der Idealisten und Visionäre. Nun wird ihm ein filmisches Denkmal gesetzt. Ein bisschen arg auf Hochglanz poliert, ein wenig zu viel Heldenverehrung. Eine kritischere Annäherung hätte diesem kritischen Geist allemal besser zu Gesicht gestanden als dieses arg plakative Biopic mit Figuren aus der Klischeekiste. Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Der frühe Strang spielt Ende der 1920er-Jahre und schildert den Einstieg des jungen Idealisten in die Politik. Der zweite Handlungsfaden erzählt von den späten 1930er-Jahren. Die Idee mit den Zeitsprüngen erweist sich als eher verwirrend und willkürlich denn als dramaturgisch elegant. Die Inszenierung wirkt oft hölzern, sei es beim Gang durch die Wiener Gassen, die mit Komparsen unglaubwürdig bevölkert sind. Sei es bei der Niederwerfung vor dem Justizpalast, die in Pathos versinkt. Oder beim Treffen der jungen Idealisten, die nackt am See den Widerstand planen. Alles bleibt plakativ, klischeehaft und ohne Zwischentöne.
Mit „Freispiel“, „Hinterholz 8“ und „Wanted“ gelangen Harald Sicheritz große Kassenerfolge in seiner Heimat, mit „Vorstadtweiber“ schuf er eine grandios bissige TV-Serie mit Kultstatus. Hinter diese kreativen Qualitäten fällt dieses plakative Malen-nach-Zahlen-Biopic überraschend deutlich zurück. Wie war dieser visionäre Widerstandskämpfer denn als Mensch? Wie hat er getickt? Woran hat er gezweifelt? Darauf gibt es viel zu wenige Antworten, zudem wirkt eine fiktive Lovestory in Sachen Wahrhaftigkeit eher zwiespältig. Die Verdienste Bruno Kreiskys gibt es lediglich als lieblose Aufzählung im Abspann: „Fristenlösung, Homosexualität straffrei. Gratis Schulbücher. Zivildienst.“ Immerhin sorgt das Biopic bei den politischen Rechtsauslegern der Alpenrepublik für Schnappatmung. Der FPÖ-Kultursprecher kritisiert die Filmförderung des Projekts als Beleg dafür, dass das heimische Fördersystem zunehmend für parteipolitische Prestigeprojekte missbraucht werde. Zumindest darüber wäre der Kreisky wohl amused.
Dieter Oßwald