Was haben wir gelacht, Foto © BASIS BERLIN Filmproduktion / ZDF / Thomas Lütz Archiv: SWR, Nachtcafé: Männerhumor und Weiberwitz - wer lacht über was?, 17.02.1995
Kinostart: 16.7.; Regie: Eva Müller und Isabel Schneider
Darsteller: Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster, Esther Schweins
Frauenpower und Comedy? Da gab es im Unterhaltungsbetrieb der 1990er- und frühen 00er-Jahre nicht allzu viel zu lachen. Ein Quintett der TV-Pionierinnen gibt Auskunft über die schlechte alte Zeit. Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins erinnern sich an Hürden ihrer Karriere. „Die erste lustige Frau in meinem Leben war meine Mutter“, bekennt Kroymann zum Auftakt. Die Ikone kluger Komik wird reichlich aus dem Nähkästchen des Showbiz plaudern. „Witzigkeit hat mit Macht zu tun“, analysiert sie das männlich dominierte Spaß-Gewerbe. Oder: „Frauen, die ins Fernsehen kamen, mussten gut aussehen.“ Da störte ihr Outing anno 1993. „Ich musste mich nicht outen. Das war immer klar!“, berichtet Hella von Sinnen. Eher laut als lustig, bleibt sie bei den Erzählungen ihrem Image als Kölner Krawallschachtel treu. Beim Karneval habe sie es beim männlichen Publikum schwer gehabt und den Job verloren. Worin freilich liegt das Verdienst für ihre läppische Torte-ins-Gesicht-Show „Alles Nichts Oder?!“? Was sollen krude Aussagen, wonach Loriot ohne Evelyn Hamann nicht lustig gewesen wäre? Da wirkt von Sinnen tatsächlich ziemlich von Sinnen! „Die dicke lustige Frau war, was man gerne hatte.“ kommentiert Bettina Böttinger deren Karriere. Was sie selbst als Moderatorin in dieser Comedy-Doku zu suchen hat? Sie war Opfer von Harald Schmidt, der sie sexistisch beleidigte. Die ranzigen Herrenwitze samt der Gockelhaftigkeit von Gottschalk und Co. mögen in der Rückschau grotesk wirken, sind freilich Schnee von gestern. Warum wird die Macho-Clique von einst nicht mit ihren Übergriffigkeiten konfrontiert? Wo bleiben Bezüge zu aktuellen Mannosphäre-Phänomenen? Wenig erhellend bleibt Gaby Köster. Deren Späßchen und Sketche aus der Kalauer-Klamottenkiste lassen kaum emanzipatorische Relevanz erkennen. Auf analytischem Kroymann-Niveau bewegt sich derweil Esther Schweins. „Frauen wurden in der Unterhaltungsbranche nicht ernst genommen“, erklärt sie und reflektiert clever, wie sie als Schönheitsideal vermarktet wurde. Mit ihr und Kroymann kann die Doku punkten. Der Rest bleibt allzu wohlfeil in seiner eigenen Echokammer hängen.
Dieter Oßwald