Kinostart: 25.6.; Regie: Charlie McDowell
Darsteller: Glenn Close, Emily Matthews, Anders Danielsen
Mit einiger Verspätung findet diese finnisch-britische Romanverfilmung mit Starbesetzung endlich auf die hiesigen Leinwände. Die Vorlage stammt von Tove Jansson, die mit ihren „Mumins“-Büchern populär wurde. Statt um Fabelwesen und Trolle geht es hier um eine Tochter und ihre Oma. Die sechsjährige Sophia besucht im Sommer mit ihrer Großmutter das Familienhäuschen auf einer winzigen, einsamen Schäreninsel. Gemeinsam mit dem Vater wird der idyllische Ort im finnischen Meerbusen erkundet. Man plaudert über die Natur, über Gott und die Welt. Nur der Tod von Sophias Mutter bleibt tabu. Der Ehemann hat den Schicksalsschlag kaum verkraftet, flüchtet sich in seine Arbeit als Illustrator. Die sensible Tochter fühlt sich unverstanden und vernachlässigt. Doch eine kluge Oma weiß, wie man geschickt vermitteln kann und die Enkelin auf andere Gedanken bringt. Ein Ausflug auf die geheimnisvolle Nachbarinsel, ein Besuch des verlassenen Leuchtturms oder die gemeinsame Vorbereitung auf die Mittsommernacht sorgen für willkommene Abwechslung. Bei den Gesprächen trifft kindliche Neugier auf die sanfte Weisheit des Alters. Die treffsicheren Dialoge klingen so: „Wann wirst du sterben?“ - „Das geht dich nichts an!“ - „Warum geht mich das nichts an?“. Oder so: „Gibt es Ameisen im Himmel?“. Oder so: „Lieber Gott, ich langweile mich. Lass irgendetwas passieren. Einen Sturm!“. Zu den gelungenen Figuren und der einfühlsamen Erzählweise gesellt sich eine poetische Bildsprache, die Goldstaub auf die Leinwand zaubert. Als Sahnehäubchen erweisen sich die zwei grandiosen Darstellerinnen. Debütantin Emily Matthews präsentiert sich mit charismatischer Natürlichkeit. Mit stolzen acht Oscar-Nominierungen auf dem Buckel, zeigt sich Hollywood-Ikone Glenn Close in Bestform als Rebellin der Herzen. Gebückt und am Stock schreitet die alte Dame würdevoll über die verwitterte Landschaft. Raucht genüsslich in der Sonne eine Zigarette. Oder lauscht alten Schallplatten. Stets ein Lächeln auf den Lippen - das dürfte dem Publikum nach diesem Drama mit Sogwirkung ganz ähnlich gehen.
Dieter Oßwald