Ingeborg Bachmann - Jemand, der einmal ich war
veröffentlicht am 14.06.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von
Kinostart: 25.6.; Regie: Regina Schilling
Darsteller: Sandra Hüller, Ingeborg Bachmann, Walter Jens
Grade noch mit Ryan Gosling für Hollywood im Weltraum unterwegs und für die Hosenrolle in „Rose“ den Silbernen Bären abgeräumt, tritt Sandra Hüller nun als Ingeborg Bachmann auf. Und bringt der Ausnahme-Autorin ein Biopic-Ständchen zum 100. Geburtstag. Dieses eigenwillige Biopic sprüht vor Ideen und findet einen sinnlichen Zugang zur sprachgewaltigen Schriftstellerin. „Das harte Klatschen einer harten Hand ins Gesicht. Die erste Erkenntnis des Schmerzes“, werden bittere Jugenderfahrungen aus dem Roman „Malina“ zitiert. Das literarische Mosaik entsteht aus Originaltönen der Autorin, aus Audio- und TV-Aufnahmen aus dem Archiv. Nicht leicht gehabt hatte es die Schriftstellerin in der Liebe. „Es ist kompliziert!“, ist der Status ihrer Beziehungen mit Kollegen wie Paul Celan oder Max Frisch. Tragisch erlebt sie die unerfüllte Liebe zum schwulen Komponisten Hans Werner Henze: „Jeder Bauernjunge hat mehr Reiz für ihn als ich“, zieht sie Bilanz. Erfolgreich verläuft die Karriere. Bachmann gewinnt den Preis der „Gruppe 47“ und kommt auf den Titel vom SPIEGEL. Geschwärmt wird von der „hämmernden Eindringlichkeit“ ihrer Arbeiten. Für ihre kluge Showmaster-Doku „Kulenkampffs Schuhe“ bekam Regisseurin Regina Schilling beste Kritiken sowie den Grimme- und den Deutschen Fernsehpreis. Ähnliche Würdigungen dürfte es für dieses essayistische Porträt über die Ausnahme-Schriftstellerin geben. Kein betulicher Wikipedia-Eintrag. Kein angestrengtes Streber-Kino oder eine bleischwere Pflichtübung für Deutsch-Leistungskurse. Stattdessen eine poetische Spurensuche, ein kreatives Wimmelbild über eine sprachgewaltige Künstlerin. Ein funkelndes Kaleidoskop, das Lust macht auf das (Wieder-)Entdecken der Werke dieser Literatur-Ikone. Und la Hüller? Famos wie in „Rose“ und „Der Astronaut – Project Hail Mary“ - mindestens! Ein rigoroseres Geburtstagsgeschenk hätte Ingeborg Bachmann sich wohl kaum wünschen können.
Dieter Oßwald