Kinostart: 9.4. Regie: Vicent Munier;
Darsteller: Oliver Hermanus; Darsteller: Paul Mescal, Josh O'Connor
Bei dieser poetischen Lovestory um zwei junge Musikliebhaber weht nicht selten eine Prise „Brokeback Mountain“ durch die idyllischen Naturkulissen. 1917 bekommt der begabte Bauernjunge Lionel (Paul Mescal) ein Stipendium und kann in Boston studieren. Dort lernt er den talentierten Pianisten David (Josh O'Connor) kennen. Die beiden verstehen sich sofort. Nicht nur musikalisch liegen sie auf einer Wellenlänge. Am Morgen danach scheint dies der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zu werden. Beide gehen ihre Beziehung gleichermaßen entspannt und unaufgeregt an. Zusammen ziehen sie durch die US-Provinz, um dem Volk aufs Lied zu schauen und dessen Songs zu dokumentieren. Nach einem Streit verlieren sich beide aus den Augen. Jahre später begibt sich Lionel auf Spurensuche nach seinem Freund und stößt auf überraschende Erkenntnisse. Der südafrikanische Regisseur Oliver Hermanus („Moffie“) lässt sich bewusst Zeit, um diese Geschichte um Freundschaft, Liebe und Leidenschaft stimmungsvoll zu entwickeln. Er setzt auf psychologische Präzision und emotionale Plausibilität. Mit großer Liebe zum Detail sind Ausstattung und Kostüme gestaltet. Die Kamera feiert diese authentischen Tableaus regelrecht und fängt sie in atmosphärisch starken Bildern ein. Deren Wirkung wird durch den wohltemperierten Klangteppich regelmäßig verstärkt. Lovestory meets Ode an die Folk-Musik! Als Sahnehäubchen erweisen sich die beiden Hauptdarsteller. Der gerne als 007-Nachfolger gehandelte Ire Paul Mescal gibt nach seinem „Gladiator“-Auftritt den sensiblen Helden so glaubhaft wie in seinem oscarnominierten Auftritt in „Aftersun“. Ähnlich überzeugend und leinwandpräsent zeigt sich Josh O'Connor, der nicht umsonst als einer der besten britischen Mimen seiner Generation gilt. Wer ihn an der Seite von Daniel Craig in „Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery” erlebt hat, wird von seiner Wandlungsfähigkeit begeistert sein.
Dieter Oßwald