Kinostart: 30.4.; Regie: Thomas Stuber;
Darsteller: Aladdin Detlefsen Kanji Tsuda
Mit seinem Kinodebüt „Herbert“ holte Thomas Stuber vor zehn Jahren gleich den Deutschen Filmpreis. Dem Boxer-Drama folgten die beiden Clemens Meyer-Verfilmungen „In den Gängen“ und „Die stillen Trabanten“, die den Leipziger Regisseur zu einem der Top-Talente des deutschen Kinos machten. Entsprechend hoch also sind die Erwartungen an den neuen Stuber. Die Story klingt märchenhaft: Ein junger Held mit Down-Syndrom, von allen Buschi genannt, büchst bei einem Ausflug mit seiner WG spontan aus. Er schließt sich in Köln einer Gruppe japanischer Touristen an, die ihn mit selbstverständlicher Freundlichkeit aufnehmen bei ihrer Bustour nach Weimar. Die verzweifelte Betreuerin folgt ihrem Schützling im Taxi. Doch Buschi ist nicht mehr einzuholen, in dem ebenso mysteriösen wie schweigsamen Japaner Hideo Kitamura hat er schnell einen neuen Freund gefunden. Das ungleiche Duo sondert sich von der Gruppe ab und unternimmt einen Roadtrip, der sie von Dresden über den Rheinfall von Schaffhausen bis nach Bern führt. Man lässt gemeinsam Steine übers Wasser hüpfen, glotzt im Hotelzimmer Samurai-Filme oder beobachtet Kampfsportler.
Was das alles soll, wird nie so richtig klar. Ziemlich beste Freunde? Dazu bleiben die Figuren zu eindimensional und die Story viel zu hölzern. Glaubwürdigkeit? Entwicklung? Inszenierung? Alles Fehlanzeige! Warum sollte eine Betreuerin 400 Euro für eine unsinnige Verfolgung im Taxi ausgeben, statt sofort Hilfe bei der Polizei zu suchen? Warum fällt dem Reiseleiter ein weiterer Gast nie auf? Warum werden jene ohnehin schon öden Touristenführer-Erklärungen auch noch jedes Mal auf Japanisch übersetzt? Was sollen jene unmotivierten Postkartenbilder von Dresden, Bern und dem Rheinfall? Als Kurzfilm-Idee mag die Story taugen. Doch auf zwei Stunden ausgewalzt und derart einfallslos und ohne jede Fallhöhe inszeniert, herrscht schnell ganz große Langeweile. Das ist ziemlich erstaunlich für ein solches Regie-Talent!
Dieter Oßwald