Kinostart: 26.2. Regie: Vicent Munier;
Darsteller: Vicent Munier, Michel Munier Claude Munier
Tiere gehen immer. Vor drei Jahren avancierte „Der Schneeleopard“ zum Publikumsliebling, César. Nun begibt sich Vincent Munier gemeinsam mit Vater und Sohn in die moosbedeckten Wälder der Vogesen. Der filmische Familienausflug zu röhrendem Hirsch, niedlichen Eulenkindern und balzenden Auerhähnen bietet bestechende Naturbilder. Und setzt beim Tempo mit voller Kraft auf Entschleunigung. Am Anfang herrscht dichter Nebel. Nur langsam gibt er das Bild frei auf die Spitzen der Tannen. Ein mehrstimmiger Chorgesang verdeutlicht den Eintritt in eine andere Welt. Vorhang auf zu einer fast meditativen Hommage an die Schönheit von Flora und Fauna. Diese Ouvertüre in Weiß ist kein Zufall, Großvater Michel erzählt später seinem Enkel Simon, wie solche Nebel ihn einst auf magische Weise in ihren Bann gezogen haben. Geduld ist die wichtigste Eigenschaft, sagt Opa. „Glaubst du, wir sehen Auerhähne?“, fragt der neugierige Enkel besorgt. Mit einem prächtigen Balz-Auftritt präsentiert sich der größte europäische Hühnervogel mit prägnantem Glucksen in Bestform. Geräusche spielen immer wieder eine große Rolle. Vom Flügelschlag-Getöse eines riesigen Vogelschwarms bis zum unvermeidlichen Röhren der Hirsche. Für die Drei- Generationen-Expedition ist derweil Ruhe erste Beobachterpflicht. Geduld und Warten werden belohnt. Auf plakative Öko-Belehrungen wird verzichtet, der Film kann sich getrost auf die Magie seiner prachtvollen Bilder und poetischen Klänge verlassen. Die Familienaufstellung gelingt und kommt ohne allzu große Sentimentalitäten aus. Nur bisweilen schimmert ein bisschen „Bambi“-Kitsch durch den Forst. Doch das stört letztlich wenig bei dieser gelungenen Hymne auf die heimische Flora und Fauna. Naturdokus gibt es im TV-Programm wie Sand am Meer. Zur richtigen Entfaltung kommt der visuelle Genuss freilich erst auf der großen Leinwand. Kino zum Staunen - das beim nächsten Waldspaziergang durchaus nachwirken dürfte!
Dieter Oßwald