„Mord im Grand Alpine Hotel“ von Lucy Foley, Penguin Verlag 2026, Hardcover, 399 Seiten, 24,00 Euro.
Erst Hercule Poirot (durch neue Romane von Sophie Hannah), jetzt Miss Marple: die sehr erfolgreiche Thrillerautorin Lucy Foley bittet eine der beliebtesten Ermittlerinnen der Kriminalliteratur in „Mord im Grand Alpine Hotel“ auf die Bühne zurück. Dabei stellt sich klassisches Lesegefühl ein, denn auch Agatha Christie legte sich über eine ordentliche Romanstrecke erst einmal ihre Protagonisten zurecht, bis es eine Leiche gibt. Foley liefert den Toten in der Seilbahn nach drei Seiten, dann folgt die zweitägige Rückblende.
Der Roman ist aus der jeweiligen Sicht der Hauptakteure geschrieben, außer Miss Marple. Sie agiert vertraut unauffällig, an ihrer Seite Mrs. Dolly Bantry, die sie auf diesem exklusiven Trip in die Schweizer Berge begleitet. Bantry ist eine Freundin aus St. Mary Mead, die ihren ersten Auftritt in der Geschichtensammlung „Der Dienstagabendclub“ (1932) hatte. Durch die feine Variation von Christies Stil schafft Lucy Foley etwas erfreulich Neues, eingebettet in liebgewonnen Bekanntes. Sehr starker erster Auftritt!
Rainer Scheer