Welch starken Einfluss Jazz und afroamerikanische Musik der 50er- und 60er-Jahre (einschließlich Retro-Soul) auf den modernen Pop in Großbritannien zwischen 1982 und 1987 hatte, dokumentiert „Digging Your Scene - New Pop & All That Jazz 1982-1987“ (Cherry Red) als Fortsetzung von „Heaven Sent: The Rise of New Pop 1979–1983“. Eine veritable Hommage an eine Ära, in der Jazz viele Pop-Acts inspirierte, von Bossa-Beats bis hin zu Mainstream-Covers der Klassiker; von lateinamerikanisch angehauchten Club-Hits bis hin zu Torch-Balladen und Acid-Jazz-Grooves, eine riesige stilistische Bandbreite mit dem Überbegriff Jazz, Betonung auf smooth, stylish und cool. Mit Bands und Solisten wie Everything But The Girl, Robert Wyatt, Joe Jackson, Matt Bianco, Fine Young Cannibals, The Blow Monkeys, The Style Council und Swing Out Sister und auch in Vergessenheit geratene Perlen wie Blue Rondo A La Turk, Weekend, JoBoxers, Carmel, Mari Wilson, Working Week, The Kane Gang, China Crisis, Virna Lindt, Dee C. Lee or Basia. 1982 brach eine neue Jazz-Ära an, in Soho, seit den 50er Jahren eine Hochburg, begann die Renaissance. Blue Rondo A La Turk hatten den ersten „New Jazz“-Hit, an der Spitze der Bewegung standen Weekend, die sich zu Working Week wandelten, mit ihrer Debütsingle 1984 „Venceremos“, Everything But The Girl griffen auf ihrer Debütsingle „Night And Day“ (Cover von Cole Porter) Jazz-Einflüsse auf. Mark Reilly verließ Blue Rondo, um die popjazzigen Matt Bianco zu gründen, Julien Temples Film „Absolute Beginners“ katapultierte (mit u.a. Eighth Wonder und The Style Council auf dem Soundtrack) den Jazz in ein Mainstream-Publikum. Das mit Coverversionen von Jazz-Standards (Alison Moyet, Bronski Beat) bis hin zu Jazz-Pop-Hits (Swing Out Sister, The Blow Monkeys) breit versorgt war.
Jürgen Parr