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Club News

veröffentlicht am 07.10.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min. | von Stefan Wagner

VA Tropecantesimo

VA Tropecantesimo, Foto © pescheria/bandcamp

Der DJ und Produzent Archie Fairhurst aus London, mittlerweile im ländlichen Kent lebend, veröffentlicht seit 2012 unter dem Namen Romare, angelehnt an den afroamerikanischen Cut-Up Künstler Romare Bearden, collagenhaften House der etwas anderen Art. Mittlerweile erschien auf seinem eigenen Label das fünfte Album „Oblivion“ [all you see] und ich erinner mich immer gerne an den confused-Party Abend, als er live im Zentralcafé des Künstlerhauses gastierte, 13 Jahre ist es her… Mit „Oblivion“ kehrt er zurück und nutzt seine ausgefeilte Sample-Technik, um die düsteren Vorzeichen der Moderne zu beleuchten. In einer Reihe von Downtempo-, Broken-Beat-, pulsierenden Grooves und grüblerischen Träumereien spinnt er eine Erzählung, die sich mit den großen Fragen der Gegenwart auseinandersetzt - den Kipppunkten des Planeten und der Technologie, dem Kampf für soziale Gerechtigkeit und den Machtstrukturen, die unser Leben bestimmen. Da hätte ich auch total Lust mal wieder live dabei zu sein und er tourt auch gerade, aber leider bin ich dann immer auf einem Festival woanders.

Saint Abdullah & Eomac haben bereits des Öfteren zusammengearbeitet. Erstere sind das Projekt von den Brüdern Mohammad und Mehdi Mehrabani-Yeganeh, die größtenteils im Westen fernab ihrer iranischen Familie aufwuchsen. Es versteht sich gewissermaßen als Einführung in eine andere Klangwelt und kreiert eine energiegeladene und zugleich unruhige, aber dennoch selbstbewusste Mischung aus minimalistischem Dub und iranischen Samples. Die beiden fühlen sich besonders zu den Klängen des schiitischen Islams hingezogen. Hinter Eomac steht der irische Künstler, Komponist, Produzent und DL Ian McDonnell. Das fünfte Album „When The Sandbox Has No Edge“ [planet mu] begann als Gedicht und wurde zu einem Album, das sich jeder Definition entzieht. Es hat seine Wurzeln im Hip-Hop, doch die Mitwirkenden verraten, wie weit es reicht. Abbas Zahedi, Richie Culver und Armand Hammer steuern Gesang und Texte bei. Lester St. Louis spielt Cello. Che Chen von 75 Dollar Bill spielt Gitarre. Der Produzent und Sounddesigner Seraphim hat durchgehend Klangtexturen und Sounddesigns beigesteuert. Die Samples sind vielfältig und reichen von Schallplatten aus Secondhandläden bis hin zu Marktständen auf Roadtrips durch Großbritannien. Ganz großartig!

„Lougy's Coiffure“ [bilna’es] ist eine EP mit sechs Tracks des in Kairo lebenden Produzenten Shah auf dem von mir sehr geschätzten Label aus Palästina (Julmud, Haykal, Acamol). Inspiriert von der zeitlichen und räumlichen Struktur der ägyptischen Zaffa, einer Hochzeitszeremonie, die sich über öffentliche und private Räume erstreckt und in Schönheitssalons beginnt, bevor sie sich in die Straßen und Gassen der Außenbezirke Alexandrias ausbreitet, greift Shah dieses alltägliche Ereignis in all seiner Spezifik und Vielfalt auf und formt daraus ein unberechenbares Meisterwerk, das Club-Elektronik-Elemente in seinen Klangteppich einwebt. Die vertrauten Klänge der Zaffa-Musik, reich an traditionellen Trommeln, Darbuka, Mizmar und Tamburin, werden gesampelt und zu atemberaubenden Loops verarbeitet, die mit verzerrten Basslines, rauen Electro-Beats und interpolierten Vocals aus der ägyptischen Popkultur texturiert und verstärkt werden. Verspielt und zugleich beunruhigend, schafft die EP die Voraussetzungen für eine benommene, ausgelassene, schlaflose Nacht.

Silvan Strauss - geboren im Allgäu und heute in Hamburg lebend - zählt zu Europas herausragendsten Jazz-Schlagzeugern. Seine langjährige Karriere umfasst ein breites Spektrum an Jazzstilen, die er gekonnt mit urbanen Musiktrends verbindet. Sein drittes, 15 Stücke umfassendes Album, „Sprinting“ [kabul fire], ist das Ergebnis einer jahrelangen Faszination für den Chicagoer Footwork-Stil, die sich schließlich in eine musikalische Live-Erkundung verwandelte. Strauss’ frühe Begeisterung für Traxmans Album „Da Mind of Traxman“ zog ihn in den Bann der hektischen, auf Samples basierenden Rhythmen dieses Genres; monatelang tüftelte er mit diversen Gästen daran, die entsprechenden Muster auf seinem Schlagzeug umzusetzen. Schon allein wegen des Tracks „Moskitos (Fliegen) feat. Samuel Wootton & Sebastian Pfeifer“, der mich an die heißen Sommerabende am Meer erinnert, ein Knaller!

Der in Manchester lebende Andy Stott ist kein Unbekannter im Advanced Techno Genre und hat sich in 20 Jahren hin zum, Songwriter-Techno könnte man sagen, entwickelt. Auf den 8 Stücken seines neuen Albums „Late Loop“ [modern love], das nach fünfjähriger Pause erscheint, gastieren die Vokalistinnen Alison Skidmore und Elaine Howley und verwandeln die midtempo Tracks in tiefgründige, poetische Songs. Ganz wunderbar!

Aus Uganda kommt noch DJ Jeff the Lastborn mit „Kadodi Season“ [nyege nyege tapes] und Italien beschenkt uns mit der Compilation „Tropicantesimo - Remixes/Sessions/Bootlegs“ [pescheria/bandcamp]. Und dann noch - don´t forget! - live die Münchner Alien Disko #7 im Volkstheater, etc am 04.+05.12.2026 -. mehr unter: https://aliendisko.de/

Bleibt gesund!

stefan wagner

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