Wie könnte es bei dem Albumtitel „Nocturne“ (AWAL) anders sein? Wasia Project, das 2019 gegründete britisch-asiatische Geschwisterduo Olivia Hardy (vocals, guitar) und William Gao (keyboards, piano, vocals), verarbeitet seine Coming-of-Age-Ängste in Katharsis und reist durch die Mythologie der Nacht, melancholisch-dramatisch mit Agnes Obel-Momenten und symphonischer Grandezza. In den zwölf Tracks verbinden sie ihre klassische Ausbildung mit clubbiger Dance-Music, cineastischen Piano-Pop-Balladen, elektronischen Einflüssen, Indie, Alt- und BedroomPop, Electronica, Klassik und Jazz, die die Grenzen zwischen Genres und emotionalen Zuständen auflösen. Sie beschäftigen sich mit Distanz, Isolation und fragmentierten Verbindungen innerhalb einer desillusionierten Generation zwischen physischer und digitaler Welt und wenden sich damit einer dunkleren, raueren und stärker nächtlich/dämmerig-düsteren Klangpalette mit einem dichteren Sound zwischen Stille und Euphorie, Einsamkeit und Verbundenheit zu, weg von der harmonie-popverliebten Leichtigkeit ihrer früheren Arbeiten. Jürgen Parr