Theater Rote Bühne: 3 Fragen an Julia Kempken
veröffentlicht am 09.08.2026 | Lesezeit: ca. 4 Min. | von
Ein Leben im Schleudergang: Julia Kempken ist Schauspielerin, Sängerin, Tänzerin, Autorin und Theaterleiterin. Seit mehreren Jahren steht sie auf unterschiedlichen Bühnen und nimmt die verschiedensten Rollen ein. Nun hat sie etwas Neues vor. In ihrem neuen Solo-Comedy-Programm „Boomer? Na und!“, ist Julia Kempken einfach nur … sie selbst. Selbstironisch erzählt sie von Geschichten aus ihrem Leben: Von der kreativen Kernschmelze mit vier Kindern, wechselnden Männern und dem alltäglichen Kampf um Facharzttermine – garniert mit einer ordentlichen Portion Swingmusik, virtuosem Steptanz und verdammt viel positiver Energie.
Und eines kann man sich sicher sein: Julia Kempken hat viel zu berichten. Nebenbei hat sie mal eben die größte Tanzschule der Region aus dem Boden gestampft, ihr eigenes Theater gegründet, glänzt als Burlesque-Diva ebenso wie bei Shakespeare und kämpft seit über zehn Jahren mit ihren historischen Stücken lautstark gegen rechts und für die Demokratie. Erst kürzlich hat sie außerdem den Kulturpreis der Stadt Nürnberg für herausragende künstlerische und kulturelle Leistungen erhalten. Wir sprachen mit Julia Kempken über das neue Programm, welches ab dem 23. Oktober und dann an drei weiteren Terminen bis März im Theater rote Bühne im Nürnberg gezeigt wird.
Doppelpunkt: Zum ersten Mal "Sie selbst" auf der Bühne – wie fühlt sich das an?
Julia Kempken: Sehr gut, energiegeladen und authentisch, manchmal kann ich auf der Bühne sogar mehr ich selbst sein als im alltäglichen Leben. Da fallen auch noch die letzten innerlichen Barrieren - Hemmungen nein danke. Streng genommen stand ich auch in der Vergangenheit schon oft nur als Julia Kempken auf der Bühne, z. B. bei Moderationen oder bei Ansprachen in meiner Funktion als Theaterleitung. Aber jetzt muss ich einen ganzen Abend dramaturgisch mit Spannung und Entertainment füllen, als Solistin, das ist schon eine andere Hausnummer.
Doppelpunkt: Gab es beim Schreiben einen Moment, in dem Sie selbst überrascht waren, wie komisch oder absurd das eigene Leben im Rückblick eigentlich war?
Julia Kempken: Ständig, vor allem jetzt, hat sich mein Blick geschärft und Begebenheiten, die sich erst vor kurzem ereigneten, erscheinen mir so grotesk. Oftmals hoffe ich in so einer Situation bereits innerlich, dass sich dieses nervige Ereignis bitte noch steigert. Ich versuche mich nicht zu ärgern, sondern packe es möglichst schnell in Worte. Manchmal hilft aber auch nur noch buddhistische Gelassenheit. Ich muss aufpassen, dass mein Programm nicht zu lange wird, mein ganzes Leben passt definitiv nicht in einen Abend.
Doppelpunkt: Ihr Programm verbindet Humor mit einer sehr persönlichen Lebensgeschichte. Was wünschen Sie sich, dass das Publikum nach dem Abend mit nach Hause nimmt?
Julia Kempken: Wir versuchen meist alle, möglichst „unique“ und originell zu sein, glauben oft, unser Leben und unsere Erlebnisse haben etwas ganz Einmaliges. Aber ich bin zu dem Schluss gekommen, im Austausch mit anderen, der Beobachtung des Menschen und meinem Interesse an der Verhaltensforschung und der Entwicklungsgeschichte des Homo Sapiens (ich wollte ursprünglich Verhaltensforschung studieren, die Publikationen von Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeldt haben mich fasziniert), dass wir uns alle nicht grundsätzlich unterscheiden, oftmals das Gleiche erleben, und uns über das immer Gleiche ärgern oder freuen.
Comedy funktioniert dann am besten, wenn sich möglichst viele Zuschauer:innen im Dargestellten wiederfinden, oder ihren Partner, ihre Partnerin, die eigene Mutter, die eigenen Kinder erkennen - egal. Und ich darf mich stellvertretend über alles ärgern, hemmungslos übertreiben und intimste Details ausplaudern, wie wir sie alle erleben. Wenn sich viele Überschneidungen ergeben haben, und herzlich gelacht werden konnte, wenn die Zuschauer*innen hinterher Szenen im Kopf behalten, weil sie schon Ähnliches erlebt haben und es jetzt vielleicht aus einem humorvolleren Blickwinkel betrachten können, dann habe ich mein Ziel erreicht. Außerdem ist Lachen bekanntlich die beste Medizin!
Doppelpunkt: Vielen Dank, Frau Kempken!