Dem jungen attraktiven Model Dorian Gray stehen gesellschaftlich alle Türen offen. Aber obwohl er immer gutaussehend und vital zu bleiben scheint, ist die Schönheit nur Fassade. Statt seiner altert ein verborgenes Bild auf dem Dachboden; das Porträt, das der Maler Basil Hallward einst von ihm angefertigt hat. Oscar Wilde (1854–1900) war ein Dandy, ein Sprachgenie und Meister der Rhetorik. Sein ikonischer Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ wurde unzählige Male verfilmt. In einer Zeit, in der die Menschen in sozialen Netzwerken nur ein optimiertes Bild von sich preisgeben, erscheint der Roman um keine Spur gealtert. Aber was passiert, wenn wir auf den Dachboden schleichen und es wagen, einen Blick auf das Bild zu werfen, das uns schonungslos unser Seelenleben präsentiert? Wohin mit der Angst vor den düsteren Trieben und all den Unzulänglichkeiten? Wie können wir die gesellschaftlichen Mechanismen des Aussortierens und Bewertens entlarven? Und wie können wir uns dem Ideal annähern, die spezielle Schönheit jedes einzelnen zum Leuchten zu bringen? Die inklusive Inszenierung „Dorian Gray in bright colours“ ist eine verspielte Annäherung an das Bildnis des Dorian Gray. Immer der dichten poetischen Sprache Wildes folgend, mal ernsthaft, mal komödiantisch setzen sich in einer Inszenierung von Helwig Arenz vier Spieler*innen mit dem menschlichen Verfallsdatum auseinander; Premiere ist am 29. Okt.