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Biermann

veröffentlicht am 17.10.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von DP Redaktion

Biermann

Biermann, Foto © Roger Melis

Kinostart: 29.10.; Regie: Jens Meurer;
Darsteller: Wolf Biermann, Joachim Gauck, Eva-Maria Hagen

Ein Porträt zum Wiederentdecken und Neuentdecken. Wolf Biermann ist eine Ausnahmefigur der deutsch-deutschen Geschichte. Liedermacher, Lyriker, Kommunist, Staatsfeind, Ausgebürgerter. Stoff für ein Biopic gibt es reichlich. Im roten, was sonst!, Bademantel sitzt der 90-Jährige im Garten und lässt sich von seiner Frau die Haare schneiden. „Hier erholen wir uns von den Menschen“, sagt sie. „Ich erhole mich bei den vielen Menschen von dieser Idylle“, kommentiert er lakonisch.
Meurer lässt Biermann erzählen. Die großen Stationen, die kleinen Geschichten. Sprache ist sein größtes Kapital. Der Vater Kommunist und Jude, Schlosser auf der Werft. Als „Mischling ersten Grades“ hätte Biermann 1947 auf einer Todesliste gestanden, erzählt er. Die britischen Bomben auf Hamburg haben ihn gerettet. Mit 16 geht Biermann in den Osten. „Ich dachte, die DDR ist das bessere Deutschland.“ Er will Theaterregisseur werden. Lieder und Gedichte sind zunächst Nebensache. Ein Stück über die Berliner Mauer wird verboten. Biermann: „Als sie mir diese Theaterkanone weggenommen haben, war ich gezwungen, mich auf leichte Handfeuerwaffen umzustellen. Lieder und Gedichte.“ Mit diesen „leichten Handfeuerwaffen“ legt er sich bald mit der DDR an. Eva-Maria Hagen habe ihm den Mut gegeben, noch frecher zu sein, als er ohnehin schon war. Die Staatsmacht antwortet mit einem „Maßnahmeplan zur Versetzung meiner Person“, es gibt sogar Mordversuche. Köln 1976: Konzert, Ausbürgerung, Exil. Romy Schneider und Michel Piccoli solidarisieren sich. „Er war unser Bob Dylan“, heißt es. Joachim Gauck sagt: „Seine Frechheit kam uns gerade recht.“ Wolfgang Niedecken nennt ihn einen seiner großen Helden. Udo Lindenberg und Allen Ginsberg gehören zu den Besuchern.
Ein bisschen „Mehr Dialektik wagen“ hätte bisweilen vielleicht nicht geschadet. Wo zweifelte Biermann? Wo lag er falsch? Zehn Kinder werden erwähnt. Über Biermann als Vater hätte man gern mehr erfahren. Und darüber, was der dauernde politische und öffentliche Kampf für seine Familie bedeutete. Zwei Stunden Biermann, und noch längst nicht alles erzählt. Zum nächsten runden Geburtstag vielleicht als Serie: Der Hundertjährige, der über die Mauer stieg und weitererzählte.
Dieter Oßwald

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