Kulturforum: Interview mit Melina Hüttner
veröffentlicht am 28.07.2026 | Lesezeit: ca. 6 Min. | von
Nachdem Jens Ravari das Haus im Februar nach knapp 3 Jahren als Leiter und Programmmacher verlassen hat, weht nun bald wieder frischer Wind durch den ehemaligen Schlachthof, der seit 1989 Kulturzentrum für die freie Szene in Fürth ist. Ab dem 1. September 2026 übernimmt die studierte Theater- und Medienwissenschaftlerin Melina Hüttner nun die Leitung. Nach ihrem Masterstudium der Theaterwissenschaft in Leipzig und Paris sammelte sie zunächst Erfahrungen in der experimentellen Freien Szene der französischen Hauptstadt, bevor sie am Kulturzentrum Rotondes in Luxemburg mit Kunstschaffenden aus ganz Europa sowie intensiv mit Kinder- und Jugendtheater arbeitete. Zuletzt war sie als Dramaturgin an der Württembergischen Landesbühne Esslingen tätig. Im Interview spricht Melina Hüttner über ihren bisherigen Weg, ihre künstlerischen Erfahrungen und ihre Pläne für das Kulturhaus.
Frau Hüttner, Sie kommen mit Erfahrungen aus der freien Szene, aus internationalen Theaterprojekten und zuletzt aus Esslingen nach Fürth. Was hat Sie an der Aufgabe im Kulturforum besonders gereizt?
An meiner neuen Aufgabe als Leiterin des Kulturforums reizt mich, dass ich all diese Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren sammeln durfte, nicht nur mitbringen kann, sondern gar brauche, um ein spannendes, mal niedrigschwelliges, mal unterhaltendes, mal experimentelles Programm für die verschiedenen Menschen der Stadt Fürth auf die Beine zu stellen. Das Kulturforum hat für mich das große Potenzial, ein vielseitiges Publikum anzusprechen, und der Freien Szene in der Region einen Raum zur Zusammenarbeit zu bieten. Ich freue mich auf diese große Aufgabe, auf mein motiviertes Team und auf die tollen und so unterschiedlichen Menschen der Stadt Fürth.
Das Kulturforum gilt seit Jahrzehnten als wichtiger Ort der freien Kulturszene in Fürth. Welche Stärken des Hauses möchten Sie unbedingt bewahren – und wo sehen Sie Entwicklungspotenzial?
Das Kulturforum bietet vielen Menschen der Stadt Fürth durch eine große Bandbreite an Programm ein spannendes Angebot, Kultur zu erleben. Das wunderbare, treue Publikum des Kulturforums lässt sich hier immer wieder gerne auf neue Formate ein, wofür die Räume des Kulturforums viel Gestaltungsspielraum bieten. Ich möchte auch in Zukunft mit einem vielseitigen Programm das bestehende Publikum ansprechen, die Kooperationen und starken Bande in die Freie Szene der Region bewahren, das bewährte solidarische Preismodell beibehalten und vor allem auf die Erfahrung meines Teams bauen. Mit der Zeit finde ich es wichtig zu überprüfen, wen wir gerade noch nicht erreichen, mit wem man noch in Kontakt treten kann und was noch möglich ist. Ich sehe durchaus Potenzial, das Profil des Kulturforums zu schärfen, das Programm zu ergänzen, neue Kooperationen entstehen zu lassen und vor allem Netzwerke zu vertiefen oder neu auszubauen.
In vielen Städten steht Kultur unter finanziellem und gesellschaftlichem Druck. Welche Rolle sollte ein kommunales Kulturzentrum wie das Kulturforum heute für eine Stadtgesellschaft spielen?
Das Kulturforum hat durch sein Programm, seine Struktur und seine Räumlichkeiten die Aufgabe und die Möglichkeit, ein kultureller Ort abseits der Hochkultur und der Großevents zu sein. Das kommt mit einigen Freiheiten und Chancen daher: Als Zentrum der Freien Szene kommt immer wieder neuer Input von außen, im kleinen Team können schneller kreative Lösungen gefunden werden, die Räume laden geradezu dazu ein, Formate außerhalb des klassischen Bühnen-Zuschauer-Raums zu gestalten und damit bestehende Formate und Regeln zu hinterfragen. Gleichzeitig birgt jede dieser Möglichkeiten auch ihre Herausforderungen, wie begrenzte finanzielle und personelle Ressourcen. Das Kulturforum kann das kulturelle Angebot der Stadt Fürth durch neue Formate, experimentelles und auch mal nischiges Programm, partizipative Projekte, Projekte im Stadtraum oder Veranstaltungen mit niedrigschwelligem Zugang ergänzen. Für die Stadtbevölkerung sollte ein Kulturzentrum wie das Kulturforum ein Ort sein, an dem man Neues entdecken kann, sich auch mal überraschen lässt, wo man zusammenkommt und sich austauscht.
Sie haben angekündigt, möglichst viele unterschiedliche Menschen zur kulturellen Teilhabe einladen zu wollen. Welche Zielgruppen möchten Sie künftig stärker ansprechen und wie kann das gelingen?
Das Kulturforum spricht bereits durch ein vielseitiges Programm, von Unterhaltung bis Experiment, von Mitmach- bis Communityprojekten, unterschiedliche Menschen der Stadt an. Hier möchte ich ansetzen und das Angebot ergänzen. So sehe ich zum Beispiel ein fehlendes Angebot an junge Familien und Kitas in der Stadt. Aus meiner Erfahrung in Luxemburg gibt es bereits für Kinder ab sechs Monaten wundervolle Produktionen, wo gemeinsam mit den Eltern Neues erlebt und entdeckt werden kann. Auch für neurodivergente Personen oder Menschen mit sensorischer Empfindlichkeit möchte ich gerne mit meinem Team die Möglichkeiten von Relaxed Performances auserkunden. Neues Publikum zu gewinnen, braucht viel Zeit, Geduld und vor allem Vernetzung und Austausch mit Organisationen, Institutionen und den Communities. Ich hoffe, in der Stadt Fürth und in der Region auf offene Ohren zu stoßen und gemeinsam auch mal etwas auszuprobieren.
Wenn wir in zwei Jahren noch einmal sprechen: Woran würden Sie persönlich festmachen, dass Ihr Start in Fürth erfolgreich war?
In zwei Jahren erhoffe ich mir, in der Stadt Fürth angekommen zu sein. Wieder zurück in der Region, in der ich studiert und das Theater lieben gelernt habe, möchte ich Fürth, seine Menschen und seine Akteur:innen der Freien Szene besser kennenlernen. Ich hoffe darauf, im Team zusammengewachsen zu sein, die ersten Spielzeiten gemeinsam gewuppt zu haben, bestehende Kontakte und Verbindungen vertieft zu haben und die ersten Schritte in Richtung neue Projekte und Kooperationen gegangen zu sein. Ich wünsche mir und meinem Team, dass wir neugierig auf und für die Stadt Fürth, das Publikum und die Kultur bleiben.
Vielen Dank, Frau Hüttner. Wir wünschen Ihnen ein gutes Ankommen in Fürth!