Schauspiel Erlangen Spielzeit 2026/27
veröffentlicht am 01.06.2026 | Lesezeit: ca. 5 Min. | von
Unter den vielen Produktionen des schauspiel erlangen, die von zeitgenössischer Dramatik bis Comic-Adaption eine große Bandbreite an Themen und Formen abbildeten, ist bereits jetzt „Brauner Schnee über Franken“ der größte Erfolg der zu Ende gehenden Spielzeit 2025/26. Das von Hausregisseur Matthias Köhler und Dramaturgin Natalie Baudy eigens für das schauspiel erlangen entwickelte Stück erzählt vom antisemitisch motivierten Doppelmord an Shlomo Lewin und Frida Poeschke im Jahr 1980 in Erlangen. Mit einer Auslastung von 94 Prozent und fast 3.800 Besucher:innen in insgesamt neun Vorstellungen sprechen die Zahlen für sich. Vor allem aber hat die Inszenierung zahlreiche Menschen bewegt. „Das war ein Stück, auf das Erlangen gewartet hat“, war aus dem Publikum immer wieder zu hören. Dramaturgin Natalie Baudy resümiert: „Diese überwältigende Resonanz verstehen wir auch als Bestätigung unserer Aufgabe als produzierendes Stadttheater: Themen aus Stadt und Gesellschaft aufzugreifen, künstlerisch zu bearbeiten, Impulse zu setzen und gesellschaftliche und politische Debatten anzuregen. Wenn es uns gelingt, auf diese Weise über den Theaterabend hinaus einen Beitrag zum Schutz und zur Stärkung der Demokratie zu leisten, haben wir viel erreicht.“ Eine Wiederaufnahme ist für die übernächste Spielzeit vorgesehen, voraussichtlich bereits im Herbst/Winter 2027.
Ansonsten steht der Spielplan 2026/27 ganz im Zeichen der Haushaltskrise der Stadt Erlangen. „Es ist eine immense Herausforderung, dieses Haus mit immer knapper werdenden Mitteln in die Zukunft zu führen. Dafür brauchen wir Planungssicherheit und eine klare kulturpolitische Haltung. Ich hoffe sehr, dass wir in den kommenden Monaten, gemeinsam mit der Politik, eine tragfähige Vision für uns und die ganze Kultur in Erlangen entwickeln und umsetzen können", so lautet die Zwischenbilanz von Intendant Jonas Knecht. Ungeachtet dieser schwierigen Rahmenbedingungen ist ein anspruchsvoller und abwechslungsreicher Spielplan entstanden, der mehrere klassische Stoffe bereithält: Eröffnet wird die Spielzeit am 2. Oktober im Markgrafentheater mit „Open Call: Oklahama“ nach Franz Kafkas „Naturteater“-Fragment (Regie und Text: Tomas Schweigen). Im Theater in der Garage wird das Programm um einen weiteren Goethe-Klassiker bereichert: „Faust“ in einer „Forward-Fassung" von Natalie Baudy und Matthias Köhler. Wie gewohnt nimmt darüber hinaus die zeitgenössische Dramatik einen großen Stellenwert im Spielplan ein: Produktionen wie „Planet B“ und „Was sich gehört“ verhandeln relevante Themen wie die Klimakatastrophe oder die Verantwortung von postkolonialem Erbe. Ein weiterer künstlerisch-inhaltlicher Baustein der Sparmaßnahmen ist der Ausbau inner- und außerstädtischer Kooperationen mit Kulturakteuren. Erfolgreiche Konzepte werden fortgeführt, allen voran die Zusammenarbeit mit dem gVe: Nicht nur wird das Familienkonzert „Peter und der Wolf“ wiederaufgenommen, auch die gemeinsame Reihe Klingt gut! wird mit einer Wiederaufnahme und zwei neuen Ausgaben ausgebaut. Gemeinsam mit dem gVe und dem internationalen figuren.theater.festival wird wiederum das Musiktheater „Salome“ produziert. Erstmalig gibt es eine Koproduktion mit dem Theater Pfütze Nürnberg beim Kinderstück „Buddeln“. In Nürnberg hat das Stück bereits im Oktober Premiere, am schauspiel erlangen ist es ab Januar 2027 zu sehen. Zudem wirkt das schauspiel erlangen verstärkt ins Stadtgeschehen: Mit „HörStadt Erlangen“ – ebenfalls in Kooperation mit dem internationalen figuren.theater.festival – entsteht eine akustische Entdeckungsreise durch die Stadt. Zusammen mit dem Gründungsbüro für den Gedenk- und Lernort Heil- und Pflegeanstalt Erlangen wiederum wird im Herbst 2027 eine Audio-Installation präsentiert.
Ein weiterer Höhepunkt wird im Sommer 2027 das Südwindfestival sein, das vom 30.6. bis 4.7.2027 am schauspiel erlangen stattfinden wird. Das inzwischen 4. Bayerische Theatertreffen für junges Publikum präsentiert herausragende Produktionen für Kinder und Jugendliche aus ganz Bayern. Und natürlich setzt das Theater auch auf die Unterstützung seines Publikums: Sesselpatenschaften im Markgrafentheater sollen eine überfällige Restaurierung der historischen Theatersessel ermöglichen. Alle Publikumsgruppen treffen sich zum obligatorischen Theaterfest, das in diesem Jahr am 10. Okt. stattfindet. Bei freiem Eintritt warten Mitmachaktionen für Kinder und Erwachsene, Musik, Theaterführungen und vieles mehr auf die Besucher.