Kinostart: 17.12., Regie: Olivier Nakache und Èric Toledano
Darsteller: Simon Boublil, Camille Cottin, Louis Garrel, Alexis Rosenstiehl u.a.
Seit dem Welterfolg mit der meisterlichen Komödie „Ziemlich beste Freunde“ von 2011 ist es in aller Munde: das Regieduo Olivier Nakache und Èric Toledano. Mit „Heute bin ich Samba“ oder „Das Leben ist ein Fest“ konnten die beiden ordentliche Filme nachlegen. Und nun also der neueste Streich, der den Publikumspreis beim Filmfest Hamburg einheimste.
Eine Hochhaussiedlung am Rande von Paris im Jahr 1985. Wir treten ein in den nicht einfachen Alltag der Familie Dayan. Mutter Sandrine (Camille Cottin) hofft auf einen beruflichen Aufstieg, kocht aber momentan im Büro nur Kaffee. Vater Yves (Louis Garrel), eigentlich eine Führungskraft, ist arbeitslos und versucht das gegenüber seinen Söhnen zu verheimlichen. Doch der ältere Arnaud (Alexis Rosenstiehl) weiß ebenso Bescheid wie der fast 13-jährige Vincent (Simon Boublil). Und während der Vater einen Job sucht und den aufdringlichen Nachbarn Berger (Pierre Lottin) argwöhnisch beäugt, die Mutter Fortbildungen macht und Arnaud selbstgeschnittene Musikkassetten vertickt, hat der im Zentrum stehende Vincent mehrere Baustellen: Er muss sich auf seine Bar Miztwa vorbereiten, mit seinen Kumpels unbedingt einen Porno schauen – und er hat sich verliebt, in die Mitschülerin Anne-Karine (Jeanne Lamartine).
Die Autoren und Regisseure Nakache und Toledano nehmen uns mit auf eine Zeitreise in ihre eigene Jugend. So gibt es hier durchaus autobiografische Einflüsse. Zugleich erzählt der Film von einer Multikulti-Familie, – die Mutter jüdische Algerierin, der Vater Marokkaner –, die trotz der vielen Streitereien letztendlich doch zusammenhält und sich gemeinsam in der Welt behauptet. Es dauert ein wenig, bis man sich in die Szenerie einfühlt, doch dann entwickelt die Tragikomödie einen mitreißenden Sog mit vielen Momenten, die man selbst durchlebt hat. Angereichert wird das Ganze mit Hits aus den 80ern, zu einem legt die Mutter einen hinreißenden Tanz hin. Einer der Ohrwürmer, „Just an Illusion“ der Band Imagination, gab dem Film den Originaltitel. Beim deutschen Titel denkt man eher an Nena.
Martin Schwarz