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Drei Kameradinnen

veröffentlicht am 17.10.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von DP Redaktion

Drei Kameradinnen

Drei Kameradinnen, Foto © Susanne Bernhard

Kinostart: 05.11., Regie: Milena Aboyan
Darsteller: Bayan Layla, Manal Raga a Sabit, Brikena Ray, Meret Becker u.a.

Da ist dieser Fahrkartenkontrolleur. Dieser Dienstmann, der die Tickets der Frauen offensichtlich nur deshalb zweimal kontrolliert, weil diese Frauen nicht deutsch aussehen. Und es ist diese Wut, die dann – wieder einmal – hochsteigt, in Hani (Brikena Ray), Saya (Manal Raga a Sabit) und Kasih (Bayan Layla). Letztere ist es auch, die uns durch diesen enorm vielschichtigen Film führt.
Ein Mehrfamilienhaus hat gebrannt, in irgendeiner deutschen Stadt (gedreht wurde in Stuttgart). Es gab Opfer. In dem Haus wohnte auch ein rechtsextremer Influencer. Ist Saya die Täterin? Um der Wahrheit, ihrer Wahrheit, einen Raum zugaben, erklärt sich Kasih zu einem Fernsehinterview mit einer Journalistin (Meret Becker) bereit – und breitet vor ihr und vor dem Kinozuschauer die Geschichte der drei Kameradinnen aus. Die kennen sich seit ihrer Kindheit, gehen zusammen durch dick und dünn und müssen doch alltäglich spüren, dass sie nicht dazugehören zur Mehrheitsgesellschaft, wegen ihrer Herkunft, ihrem Aussehen, ihrer Wohngegend. Und das macht wütend. Sehr wütend. Potenziert wird diese Wut durch einen Alltag, der geprägt ist durch Widerstände, etwa wenn Kasih trotz bestem Abschluss keinen adäquaten Job findet. Oder dass es Hani durch ihr blondes Aussehen leichter hat. Vermeintlich.
Basierend auf Shida Bazyars gleichnamigem Roman entwirft Regisseurin Milena Aboyan ein komplexes Konstrukt, bei dem die Erzählerin nicht nur ständig zwischen den Zeitebenen wechselt, sondern auch mitunter direkt in die Kamera spricht. Am überraschendsten: Kasih nimmt sich auch die Freiheit der Fantasie: Manche Sequenzen entpuppen sich als Fake, ganz nach dem Motto: „So hätte es in einer besseren Welt auch sein können.“ Das erschwert zwar die Rezeption, wirkt aber überaus erfrischend und intensiviert diese Geschichte, in der es um Selbstbehauptung, Freundschaft und Außenseitertum geht. Und um Wut. Ein ungewöhnlicher Film, der ganz neue Perspektiven auf die Themen Migration und Rassismus freigibt, und der mit Bayan Layla, Manal Raga a Sabit und Brikena Ray herausragend besetzt ist.
Martin Schwarz

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