Kinostart: 26.11.; Regie: Petra Volpe;
Besetzung: Kingsley Ben-Adir und Rob Morgan
Mit dem Pflege-Drama „Heldin“ gelang Petra Volpe ein Kino-Coup, der im Vorjahr zum Berlinale-Liebling avancierte und von der Schweiz ins Oscar-Rennen geschickt wurde. Nun präsentiert die Regisseurin ihren ersten Film in englischer Sprache. Der Titel lässt fast ein bisschen „Thelma & Louise“ mitklingen, doch statt auf einen feministischen Roadtrip führt der Weg diesmal ins Männergefängnis. Wieder geht es um Schuld und Sühne, um Würde und Gerechtigkeit. Der lebenslänglich verurteilte Frank hofft auf Bewährung, wenn er sich als Pfleger um den alternden, Häftling Nelson kümmert. Der war einst ein mächtiger Gangster-Boss. Mittlerweile leidet er an fortschreitender Demenz. Seinem neuen Pfleger begegnet „Mr. Nelson“, wie Frank ihn nennt, mit ruppiger Ablehnung und Argwohn. Trotz aller Widerstände wächst langsam Vertrauen zwischen den beiden. Die üblichen Knast-Rituale spielen bei Volpe nur eine Nebenrolle.
Wie bei der „Heldin“ geht es ihr um den menschlichen Umgang miteinander. „Ich habe es interessant gefunden, einen feministischen Film über Männer zu machen“, sagt die Regisseurin. Die wie immer verlässlich starke Kamerafrau Judith Kaufmann sorgt mit ihren Bildern für knisternde Knast-Atmosphäre. Auf seinem Weg zur Läuterung gerät der Held immer wieder ins Straucheln. Auch Mr. Nelson bleibt ein widersprüchlicher Fall: ein skrupelloser Verbrecher mit dickem Minus im Karma-Konto, der plötzlich ganz große Gefühle für seine Tochter entwickelt, die er seit Jahrzehnten nicht gesehen hat. Mit Kingsley Ben-Adir und Rob Morgan hat Volpe zwei exzellente Darsteller gefunden, deren Intensität es mit jener von „Heldin“ Leonie Benesch durchaus aufnehmen kann. Bisweilen schrammt die Geschichte hart an der Klischeegrenze entlang, und auch der Soundtrack meint es mit den Gefühlen gelegentlich etwas zu gut. Doch das sind kleine Mängel in einem starken Kinostück, das bewegt.
Dieter Oßwald