From Inside Out - Die Architektur von Peter Zumthor
veröffentlicht am 17.10.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von
D 2026; Regie: Wim Wenders;
Darsteller: Peter Zumthor, Wim Wenders
Wim Wenders’ wunderbare Wow-Welten in 3-D bekommen ein weiteres wuchtiges Meisterstück. Nach Tanz mit „Pina“ Bausch und Kunst mit Anselm Kiefer folgt nun die Architektur mit Peter Zumthor. Der Schweizer Star-Baumeister und Pritzker-Preisträger sorgte vor drei Jahrzehnten mit seinem alpinen Badetempel „Therme Vals“ für Furore. Zu seinen weiteren avantgardistischen Entwürfen zählen das Kunstmuseum Bregenz, das Kolumba Köln, das Hexenmahnmal in Vardø oder die David Geffen Galleries des Los Angeles County Museum of Art. Über 14 Jahre hat Wenders in das Projekt investiert. Sein Roadtrip in architektonische Räume lässt Bauklötze staunen und wird zu einem cineastischen Denkmal für ein bescheidenes Genie. Während Brad Pitt lediglich als „presents“-Schriftzug im Vorspann vorkommt, ist Werner Herzog leibhaftig mit Gattin Lena in einem Gastauftritt zu erleben. „Eine meiner sehr guten Arbeiten!“, kommentiert Peter Zumthor seinen radikalen Entwurf zur Berliner NS-Gedenkstätte „Topografie des Terrors“. Ausgerechnet dieses Projekt jedoch wird nie verwirklicht. Die geplanten Kosten laufen aus dem Ruder, der finanzklamme Senat zieht 2004 die Reißleine und lässt die begonnene Baustelle abreißen. Nur noch Modelle und Zeichnungen künden vom großen Wurf des Schweizer Architekten. Gegen dessen visionäre Vorstellungen wirken jene Spar-Phrasen des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit in Archivaufnahmen umso kleinlicher: Von wegen Wenders wolle sich lieber aus der Politik heraushalten!
Wie an einer Perlenschnur reiht der Film die bahnbrechenden Bauten von Peter Zumthor auf und zeigt mit dem titelgebenden Blick von innen nach außen dessen einzigartige Handschrift aus der Perspektive von Besuchern, Bewohnern und Handwerkern. Mittendrin statt nur dabei ist dank 3-D das Publikum. Wie bei Pina Bausch und Anselm Kiefer hält Wenders sich nicht mit den kleinen Karos der Kunstgeschichte auf. Er will die wilde Vision mit Wucht und Wow-Effekt. Sein rigoroser 3D-Roadtrip durch das Lebenswerk Peter Zumthors gerät zu einer atemberaubenden Reise auf der Leinwand. Entschleunigungskino auf poetische Art à la „Perfect Days“. Fast erstaunlich eigentlich, dass Zumthor noch nie Toiletten für Tokio gebaut hat...
Dieter Oßwald