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Nur Für Verrückte

veröffentlicht am 17.10.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von DP Redaktion

Nur für Verrückte

Nur für Verrückte, Foto © Daniela Pfeil

Kinostart:3.12. Regie: Matthias Lehmann;
Besetzung: Eckhard Preuss Jochen Nickel,
Margret Völker

„Es war einmal vor einiger Zeit, gar nicht sooo weit entfernt.“ So beginnt diese märchenhafte Geschichte um zwei denkbar ungleiche Brüder sowie eine ziemlich große Liebe. Der verzweifelte Witwer Georg verknallt sich rettungslos in seine Therapeutin. Als ein Fremder namens Uwe eines Tages an der Tür klingelt und sich als sein verschollener Bruder ausgibt, nimmt das Schicksal plötzlich eine unerwartete Wendung. Mit Mut zum rigorosen Erzählen entwickelt das charmante Odd-Couple-Movie ein Panoptikum seltsamer Figuren und kurioser Situationen. Eine kompromisslose Komödie über viel Verzweiflung, allerlei Hoffnung sowie diverse Möglichkeiten der Liebe. „Der Steppenwolf“ von Hermann Hesse lässt grüßen, mit Schwarzweißbildern wie aus einem Ingmar Bergman
„Was würdest du machen, wenn du erfährst, dass du nicht mehr lange zu leben hast“? - „Einkaufen!“. So lakonisch klingen die Dialoge dieser amüsant nachdenklichen Komödie. Oder: „Bist du eine Frau?“, fragt das Kind vor der Boutique. „Weiß ich nicht!“, kommt als Antwort. Oder: „Glaubst du an das Leben auf anderen Planeten?“ - „Ich glaube sogar an das Leben auf der Erde!“. Als zitierfähig präsentiert sich allemal der Titel, stammt er doch aus Hermann Hesses „Der Steppenwolf“ von 1927. Dort ziert der Spruch jene mysteriöse Eintrittskarte für das „Magische Theater“, die dem Helden Harry Haller zugesteckt wird. Es wird sein Ticket zur Selbstfindung, eine Einladung, sich von Konventionen zu lösen, das Unbewusste zu erforschen und die starren gesellschaftlichen Rollen abzulegen. Die höchste Stufe der Erkenntnis im Theater ist der Humor. Dieses Prinzip macht auch der Film sich zu eigen und geht dabei angenehm unangestrengt vor. „Hallo. Ich bin dein Bruder!“, begrüßt der Fremde den verblüfften Wohnungsinhaber an der Tür. Georg hat es sich gerade in der Badewanne gemütlich gemacht. Wobei der griffbereite Fön am Beckenrand nicht unbedingt Gutes verheißt. Das Sturmklingeln erweist sich da als Wink des Schicksals. Dass der unbekannte Uwe sein verschollener Bruder sein soll? Ein paar Indizien sprechen immerhin dafür. Nachdem Georgs anfängliche Zweifel schnell verflogen sind, darf Uwe sogar in die Wanne.
„Mehr rigorose Filme wagen!“ lautet das Motto des Kinodebüts von Matthias Lehmann. In kontrastreichem Schwarzweiß inszeniert, versammelt er ein Panoptikum seltsamer Figuren samt kurioser Situationen. Jochen Nickel und Eckhard Preuss spielen die schrägen Vögel mit sichtlichem Vergnügen und geben dem Affen Zucker. An der wundersamen Wundertüte von Wendungen sollte man sich besser nicht stören: Schließlich ist es eine Komödie, nur für Verrückte.
Dieter Oßwald

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