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Lieblingsmenschen

veröffentlicht am 17.10.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von DP Redaktion

Lieblingsmenschen

Lieblingsmenschen, Foto © NORDPOLARIS Anne Wilk

Kinostart: 19.11.; Regie: Helena Hufnagel;
Besetzung: Katharina Thalbach, Bardo Böhlefeld, Ronald Zehrfeld, Rainer Bock

Unglaublich, aber wahr: Diese märchenhafte Geschichte hat sich tatsächlich in Berlin-Schöneberg so zugetragen. Die betagte Agnes, stolze 101 Jahre ist sie alt, nimmt spontan den schwulen Asylbewerber Amir bei sich auf. Der junge Mitbewohner schützt nicht nur perfekt vor dem drohenden Umzug ins Altenheim. Er weckte zudem ganz neue Lebenskräfte in der rüstigen Rentnerin. Trotz Amirs drohender Abschiebung tritt das ungleiche Duo bei einem Tanzwettbewerb an, um einen neuen Rekord aufzustellen.
Zu den Gewinnern gehört allemal das Publikum, das von dieser warmherzig-optimistischen Geschichte mit erfrischender Leichtigkeit lässig unterhalten wird. Diverse Klischeeklippen bleiben zweitrangig, schließlich handelt es sich ja um eine wahre Geschichte. Nachspannsitzenbleiber erfahren das mit Originalaufnahmen dieser ziemlich besten Freunde. Ein kleiner Hauch von „Harold und Maude“ weht durch diese Wohlfühlkomödie von Helena Hufnagel („Generation Beziehungsunfähig“). Die schrullige Alte und der sensible Junge erweisen sich schnell als Sympathieträger mit großem Empathiepotenzial. Eine Schippe weniger Stereotype und dafür etwas mehr emotionale Tiefe sowie Entwicklung der Figuren hätte kaum geschadet. Amir wirkt beinahe zu perfekt: hochqualifiziert, mit ausgezeichneten Deutschkenntnissen und charismatisch. Als typische Fluchtgeschichte taugt diese Ausnahmefigur kaum. Der emotionalen Glaubwürdigkeit des Films tut das keinen Abbruch. Die Chemie zwischen Schauspiel-Urgestein Katharina Thalbach und Newcomer Bardo Böhlefeld stimmt. Dank beeindruckender Altersmaske verkörpert die 72 Jährige ihre 30 Jahre ältere Figur mit erstaunlicher Glaubwürdigkeit. Die funkelnden Augen hinter den großen Brillengläsern zeigen eine Achterbahn der Emotionen: Vom Schmerz über den Verlust von zwei Ehemännern. Vom einsamen Leben, in dem es lediglich einen Goldfisch gibt. Vom Traum ins Guinness-Buch der Rekorde zu kommen. Bardo Böhlefeld, mit iranischer Mutter und deutschem Vater, überzeugt in seiner ersten Hauptrolle mit charismatischem Charme und leinwandpräsenter Lässigkeit. Den beiden schaut man gerne zu, bis hin zu ihrem bewegenden Tanzfinale zu „Who Wants To Live Forever“ von Queen. Promi-Spotter werden gleichfalls gut bedient, die Gastauftritte reichen von Jannik Schümann über Ronald Zehrfeld, Rainer Bock bis zu Detlev Buck.
Dieter Oßwald

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