Kinostarts

La Bola Negra

veröffentlicht am 17.10.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von DP Redaktion

Eingang des Ohio Theatre

Eingang des Ohio Theatre, Foto © pixabay.com/columbus

Kinostart: 19.11.; Regie: Javier Calvo und Javier Ambrossi;
Besetzung: Guitarricadelafuente Miguel Bernardeau, Penélope Cruz, Glenn Close

20 Minuten Standing Ovations in Cannes (zweitbestes Klatschzeit-Ergebnis aller Zeiten!). Regie-Palme für Javier Calvo und Javier Ambrossi. Oscar-Kandidat für Spanien. Keine schlechte Bilanz für diese Pedro Almodóvar-Produktion mit Gastauftritten von Penélope Cruz und Glenn Close. Erzählt wird in epischer Form von drei schwulen Männern in Spanien in den Jahren 1932, 1937 und 2017. Bildgewaltig und fabulierfreudig geht es um Identität, Begehren und die rigorose Liebe. Die opernhafte Opulenz samt enormem Empathie-Potenzial der Figuren lassen die 155 Minuten wie im Flug vergehen. Beste Oscar-Chancen also für diesen ziemlich besten queeren Paukenschlag auf der Leinwand seit „Brokeback Mountain“.
Kinder üben in einem kleinen spanischen Dorf begeistert den Hitlergruß. Eine Kapelle spielt zur Begrüßung von italienischen Flugzeugen. Doch jäh ist Schluss mit lustig. Mit dieser Ouvertüre beginnt das zweieinhalbstündige Epos, das drei Erzählstränge in unterschiedlichen Zeiten schildert. 1937 verliebt sich Sebastián, ein Bewacher, in den verwundeten Kriegsgefangenen Rafael. Fünf Jahre zuvor möchte der junge Carlos Mitglied eines exklusiven Clubs werden, doch Gerüchte über seine Homosexualität stehen ihm im Weg. In der Gegenwart erfährt der schwule Historiker Alberto vom Tod seines unbekannten Großvaters, der ihm ein überraschendes Erbe hinterlässt.
Was diese Männer miteinander verbindet, erschließt sich erst nach und nach. Wie in einem Kaleidoskop entsteht mit jeder Drehung ein neues Bild, das einen weiteren Teil des Puzzles sichtbar macht. Das Melodram sprüht nur so vor visueller Wucht und verschwenderischer Fabulierlust. Ein Kind beginnt in einer Kneipe zu singen, die Nummer steigert sich zum Flamenco. Penélope Cruz gibt die frivole Cabaret-Sängerin vor johlendem Soldatenpublikum. Glenn Close hat ihren Auftritt als charmante Wissenschaftlerin auf den Spuren von Federico García Lorca. Dessen fragmentarischer Text liefert den Ausgangspunkt für die drei ineinander verschlungenen Geschichten.
Zu viele Kitschkalorien? Gewiss. Aber welche gute Oper achtet schon auf den Fettgehalt oder nimmt Süßstoff statt Zucker? Calvo und Ambrossi erzählen mit Lust an großen Gefühlen und opulenten Bildern von der langen Geschichte der Homophobie. Neben der Liebe, die sie ihren Figuren gönnen, wirken die Hassprediger denkbar armselig. Kaum ist eine Wundertüte ausgepackt, wartet schon die nächste. Ein überschäumendes, bewegendes Opus wie für den Oscar geschaffen.
Dieter Oßwald

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