Film
 

Alles ist Eins. Außer der 0.

Alles ist eins. Außer der 0.

Filmstart: 29.7. Regie: Klaus Maeck und Tanja Schwerdorf
Darsteller: Wau Holland, Peter Glaser, Steffen Wernéry u.a.

Wer in den 80er-Jahren im links-alternativen Milieu aufgewachsen ist, der hatte nicht nur Respekt vor den damals aufkommenden Personal Computers, PC genannt, sondern sie waren ihm meist auch nicht ganz geheuer. Technikkram eben. Doch es gab damals gerade in Deutschland eine Gruppe junger, vorwiegend männlicher Zeitgenossen, die als Erste erkannten, welche Möglichkeiten in der neuen Computerwelt steckten – und welche Gefahren. Ganz vorne weg: Wau Holland, Jahrgang 1951, selbsternannter Datenphilosoph oder Datenkünstler – und natürlich Computernerd. Der eher wie ein Hippie aussehende Holland war 1981 einer der Gründer des Chaos Computer Clubs (CCC) und avancierte in den Folgejahren zum bekanntesten Gesicht des eingetragenen Vereins, der sich schnell mit spektakulären Aktionen einen Namen machte. So hackten sich 1984 Mitglieder des CCC in den von der Deutschen Bundespost als sicher bezeichneten Onlinedienst Bildschirmtext (BTX) ein und bewiesen so die Anfälligkeit des Dienstes für Angriffe von außen.
Klaus Maeck und Tanja Schwerdorf, die Regisseur:innen von „Alles ist Eins. Außer der 0.", erzählen anhand von Archivmaterial, Interviews und Off-Kommentaren einiger Zeitzeugen chronologisch die Geschichte des CCC. Und von vornherein ist klar, wo deren Sympathien liegen: auf der Seite der sympathischen Nerds und des hellsichtigen, 2001 leider verstorbenen Wau Holland, der bereits Anfang der 80er-Jahre für einen freien Fluss der Daten eintrat und gleichzeitig damals schon vor einem Missbrauch persönlicher Daten warnte. Themen also, die bis heute hochaktuell sind. Das Regieduo arbeitet überzeugend heraus, dass es dem CCC nie darum ging, mit dem Vorreiterwissen Geld zu verdienen, sondern die Möglichkeiten der neuen Medien aufzuzeigen und mitunter recht spielerisch mit ihnen umzugehen. Dennoch konnte nicht verhindert werden, dass der CCC einen zwiespältigen Ruf genoss, spätestens zu der Zeit, als andere Hacker üble Dinge anrichteten. Mittlerweile ist das Wissen des immer noch existierenden Clubs bei Regierungen gefragt, um sich vor Hackerangriffen aus Russland oder sonst woher zu wappnen. Maeck und Schwerdorf rollen dabei ihren virtuos montierten Film so verständlich auf, dass auch Computerlaien problemlos folgen können. Und unterhaltsam ist das Ganze zudem.

Martin Schwarz

Stand: 27.07.2021

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