Film
 

„Was ist verrückter? Kiffen oder Krieg?“

Oliver Stone

Interview mit Oliver Stone  zu „Savages" - Filmstart 11.10.

Er gilt als der Polit-Kommissar von Hollywood. Mit „Platoon" widmete er sich dem Vietnamkrieg, mit „J.F.K" und „Nixon" den US Präsidenten, mit „Wall Street" den Börsenhaien oder mit „World Trade Center" den Terroranschläge vom 11. September. Aus seiner Drehbuchfeder stammen freilich auch zwiespältige Stoffe wie „Conan der Barbar" und „Midnight Express". Nun präsentiert er mit „Savages" einen Thriller um mexikanische Drogenkartelle. Mit dem Regisseur sprach unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.

Doppelpunkt: Sie sind bekannt für Ihre politischen Filme mit klaren Standpunkten. Ist ein Drogen-Thriller wie „Savages" im Vergleich zum schwergewichtigen Politdrama eine entspannende Abwechslung?
Stone: So denke ich gar nicht. Ein Film ist ein Film, als Dramatiker interessiert mich immer nur die Qualität einer Geschichte, egal ob es um Nixon geht, um George W. Bush oder um die mexikanischen Drogenkartelle. Die Herausforderung besteht immer darin, den Stoff unterhaltsam aufzubereiten, wobei es ganz entscheidend ist, eine möglichst große Glaubwürdigkeit zu bieten.
Doppelpunkt: Haben Sie sich diesmal auf die Romanvorlage verlassen oder eigene Recherchen angestellt?
Stone: Die Recherchen waren so intensiv wie bei jedem meiner anderen Filme auch. Diesmal habe mich genau mit den Wegen des Drogenhandels beschäftigt, sowohl auf der mexikanischen als auch der amerikanischen Seite. Ich habe mich über jene Leute informiert, die in Kalifornien Marihuana anbauen, die das Geld waschen und die bei der Drogenfahndung arbeiten.
Doppelpunkt: Haben Sie auch Drogenhändler getroffen?
Stone: Ich habe mich mit etlichen Leuten der Drogenkartelle sowie mit Informanten getroffen. Außerdem stand uns ein sehr erfahrener Ermittler der Drogenfahndung als Berater zur Seite. Allerdings handelt es sich um einen fiktionalen Film und das Kino ist immer größer als das wahre Leben.
Doppelpunkt: Halten Sie die Legalisierung von weichen Drogen für ein Mittel, die Drogengeschäfte einzudämmen?
Stone: Was ist verrückter? Marihuana zu rauchen oder die Invasion des Iraks? In unseren Gefängnisse sitzen Häftlinge, nur weil sei Gras geraucht haben. Amerika hat die meisten Gefängnisse in der Welt, mehr als Russland oder China. Denn auch mit Gefängnissen lässt sich Geld verdienen, die Gewerkschaft der Aufseher ist eine sehr mächtige Organisation und auch die Drogenfahndung hat einen gigantischen Etat.
Doppelpunkt: Wie würden Sie Ihre persönlichen Drogenerfahrungen beschreiben?
Stone: Ich hatte nach dem Vietnamkrieg einige Erfahrungen mit Drogen gemacht. Ich weiß nicht, ob ich es bereuen soll, denn ich habe daraus gelernt. Wobei ich das in meinen Filmen bislang allerdings nie verarbeitet oder zum Thema gemacht habe.
Doppelpunkt: Wenn man dem Internet glaubt, sollen Sie bei früheren Dreharbeiten mit Ihren Darstellern gerne einmal zum Joint gegriffen haben?
Stone: Nein, bei Dreharbeiten würde ich wirklich nie kiffen, das wäre völlig verrückt. Schließlich geht es hier um die Arbeit und jeder reagiert anders auf Drogen. Bei einer Party ist das etwas anders, aber auch dort würde ich sorgfältig darauf achten, um welche Party es sich handelt und welche Leute dort sind.
Doppelpunkt: Ein Oliver Stone ist gerne stoned?
Stone: Marihuana ist ein Geschenk der Götter, es ist keine Droge! Es ist eine Pflanze, ein Kraut mit medizinischem Wert. Das haben Ärzte immer wieder bewiesen. Es hilft Leuten, die Schmerzen haben – und auch auf viele andere Arten. Es ist eine spirituelle Wohltat. Aber alles hängt wie immer von demjenigen ab, der es benutzt. Man kann auch auf mit seinem Fahrrad gegen die Wand fahren. (lacht)
Doppelpunkt: Sie feiern in Ihren Filme gerne die Selbstbestimmung des Menschen und seine Freiheit - wie passt dazu, dass Ihr Hauptdarsteller John Travolta eines der prominenten Aushängeschilder von Scientology ist?
Stone: Ich habe nie mit John über das Thema Scientology geredet. Manchmal ist es besser, nicht über die Religion von Menschen zu sprechen. Ich kann nur sagen, dass er ein großartiger Schauspieler ist, dessen Ausstrahlung die ganze Stimmung beim Dreh anhebt. John hat längere Zeit nicht gearbeitet, weil sein Sohn gestorben war. Also war es auch etwas Besonderes, ihn wieder arbeiten zu sehen. Mir gefiel besonders, dass man hier sein ungeschminktes Gesicht sieht. John hat ganz besondere Augen.
Doppelpunkt: Worum geht es in Ihrer kommenden TV-Serie „Die unerzählte Geschichte der USA"?
Stone: Die Serie wird 10 Stunden lang sein und ab November bei uns ausgestrahlt. Für mich ist es das ambitionierteste Projekt, das ich je gemacht habe. Wir wollen die Geschichte von Amerika von einem größtmöglich linken Blinkwinkel erzählen und Wissen bieten, das man nicht in der Schule lernt. Wir beginnen mit dem Zweiten Weltkrieg und der Frage, weshalb Truman die Atombombe gezündet hat - und weshalb er das nicht hätte tun sollen. Das ist alles schon ziemlich subversiv. (lacht)
Doppelpunkt: Was sagen Sie zum Wahlkampfauftritt von Clint Eastwood für Mitt Romney?
Stone: Für mich ist Romney schlimmer als Bush. Aber Clint hatte immer seine eigene Meinung. Er hat mal einen Film namens 'Heartbreak Ridge' gemacht. Den muss man gesehen haben, um es glauben zu können. Er spielt darin einen heldenhaften Ex-Sergeant beim Angriff auf Grenada. Man weiß, wo er steht. Ich denke, das Interessante an seiner Rede war seine Aussage, er sei keiner dieser scharfen Hunde wie die Liberalen, sondern repräsentiere die gemäßigten Kräfte. Ich frage mich: Wie kann man die Konservativen mit den eher Gemäßigten in einen Topf stecken? Das ist echt lustig.
Doppelpunkt: Können Sie sich einen Film über Barack Obama vorstellen?
Stone: Eigentlich nicht, dafür ist es noch zu früh. Obama ist eine Art Zwischending in der US-Politik. Ich glaube, dass sich Obama in ein System begeben hat, dass man nicht stoppen kann. Es ist wirklich das System. Den interessanteren Charakter fände ich Ronald Reagan. Er ist definitiv derjenige, der am meisten zum Rechtsruck der USA seit Nixon beigetragen hat.

Dieter Oßwald

Stand: 09.10.2012

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