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Dunkelziffer

Dunkelziffer - Colours And Soul

Wo sonst als im Kölner Stollwerck-Komplex der 80er hat dieses Sound-, Stil- und Kreativ-Kollektiv Dunkelziffer entstehen können, das sich frisch-fromm-fröhlich und verdammt frei seinen experimentellen Weg durch eine wilde-stilistische Fusion aus Art-Rock, Dub, Funk, New Wave, Soul, Jazz und Frei-Pop geschlagen hat, deren Frische auch heute - nahezu 40 Jahre nach Erscheinen – noch fasziniert und ansteckt. Das 83er Debüt "Colours And Soul" (Bureau B) hat weder Staub noch Patina angesetzt, sondern entfaltet echte Spannkraft durch Reife und Lagerung zwischen Dschungel und Disco, Trommelworkshop und Experimentalkakophonielabor, alles erlaubt und alles möglich. Ob der Opener "Kedema", ein schräger Dub, oder "Bleib' nicht so lang im Schatten stehn", der bessere Neue Welle-Anti-Ideal-Hit, der nie entdeckt wurde, ein treibendes Stück New Wave mit Wolfgang Schuberts dröhnenden Bläsern und dem neonabgefeimten Gesang von Coco Claus und Josefa Martens, weiter zum Psycho-Groove von „This is How You Came", den Tribal-Elektronik-Stücken „Dark Number", "Stil Der Neuen Zeit" und "Zufall In Der Wirklichkeit", "S.O. 36", der trashige-hingerotzte Fusion-Jazz-Punk bis zu "Free", dem durchgeknallten sonnigen Großstadt-Reggae oder dem alternativen Megahit Titeltrack "Colours and Soul", ein hyperlässiger, dubbiger MultiKulti-Köln-Reggae, der bis heute in der Liga der Ehrenohrwürmer seinen festen Platz hat, auch für Reggae-Hater. Kaum ein Jahr später gab's dann das 7-Stücke-Album "In The Night" (Bureau B), das auch auf Dub, Reggae und Polyrhythmik fokussiert blieb und das Soundkonzept fortschrieb, wenn auch nicht so anregend-ungestüm wie das Debüt. Vom Kern-Septett Zerlett, Linke, Krachten, Von Senger, Keul, Gelba und Schubert bestritten, kam als neuer Bassist Rike Gratt, statt Coco, Josefa und Rebop Kwaku Baah Damo Suzuki als Sänger, der dem Sound natürlich eine andere Note verlieh. Mit "I See Your Smile" warf es auch einen passablen Alternativ-Pophit ab. Beides pretiose Wiederveröffentlichungen.

Jürgen Parr

Stand: 28.07.2021

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