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Club-News 11-19

Pelada

Der in Lissabon lebende DJ Nigga Fox stellt mit seinem Debut-Album „Cartas Na Manga" [príncipe] die Messlatte innerhalb der portugiesischen Underground Ghetto-Dance Szene ziemlich hoch. Einflüsse aus Kuduro, House und Bassmusik werden mit afrikanischen Percussion-Sounds, Jazz und gelegentlichen Vocal-Schnipseln versetzt und evozieren eine treibende, ekstatische Stimmung. 2011 ist er bereits auf der „Bazzerk"-Compilation aufgefallen, letztes Jahr gab´s dann eine 12'' auf dem renommierten Warp-Imprint sowie einen How To Dress Well-Remix. Nun der Longplayer mit 9 Tracks auf dem in Lissabon ansässigen Label, das seit 2011 ein breites Spektrum der dortigen Dance-Szene um DJ Firmeza, Marfox oder Nervoso veröffentlicht und bereits drei EPs von DJ Nigga Fox herausgebracht hat. Sehr erfrischend und für sich stehend und auch das interaktive Cover-Artwork von Márcio Matos mit seinem puristisch, poppigem Stil gefällt mir sehr.

Das in Berlin ansässige pan-Label von Bill Kouligas überrascht mal wieder mit dem Release „Movimiento Para Cambio" (Bewegung für den Wandel, oder Austausch) des Montrealer Duos Pelada um Sängerin Chris Vargas und Produzent Tobias Rochman, die internationale Beachtung durch die Underground Warehouse Dance Szene der Stadt bekamen. Themen von Macht, Identität, Überwachung, Umwelt werden aufgegriffen und über eine roughe Mixtur von technoiden, bassigen Sounds, mal stringent, dann wieder gebrochen, gelegt. Hat insgesamt auch eine gewisse Punk-Attitüde. Der Gesang ist spanisch, mir zeitweise etwas zu plakativ, aber demzufolge auch stimulierend.

Funktionaler, auch zeitloser Techno aus UK kommt von Karenn aka Blawan und Pariah. Auf „Grapefruit Regret" [voam], ihrem Debut Album präsentieren sie acht Tracks mit rohen, teils industriellen Tönen, die während einer Studio-Session im Sommer in Berlin entstanden sind. Da bekomm ich voll Lust, diese Sounds im Berghain zu hören. Hat was Großes, klingt wie Beton ohne Schnörkel. Gutes Team, das nun auch schon fast seit zehn Jahren zusammen produziert. Ich kann mich noch erinnern, als Arthur Cayser aka Pariah beim James Blake Debut-Konzert in Brixton so Sachen wie Arthur Russel etc. aufgelegt hat. War auch sehr toll.

Dazu passt gleich ganz gut die neue Veröffentlichung von Joy Orbison „Slipping" [hinge finger], auch Engländer und bei einer Spex-Nacht vor Jahren mal im B'hain selbst erlebt und beeindruckt gewesen. Mit sechs Tracks nur eine EP, aber dennoch nennenswert und auch nach zehn Jahren für mich noch ein beachtenswerter Produzent innovativer Clubmusik. Weniger stringent, abstrakter und an manchen Stellen soulful und downbeat, mit einigen Gästen und teilweise Vocals und Gesang. Tolles Cover auch Peter O'Grady!

Überwiegend straighten Techno mit industrial Touch finden wir auf Tommy Four Seven „Veer Remixed" [47]. Der britische DJ und Produzent versammelt hier Namen wie Ansome, Pessimist, SØS Gunver Ryberg, Silent Servant neben anderen, die sein Album von diesem Jahr neu interpretieren.

Experimenteller, aber immer noch im industriellen Techno angesiedelt und mit gelegentlichen Ausflügen ins Noisige und zu Grime, wird es bei Giant Swan´s gleichnamigem Debut auf ihrem eigenen Keck Records-Label. Das aus Bristol stammende Duo um Robin Stewart und Harry Wright, das sich nach einem Stück der Screamo-Überhelden Blood Brothers benannte, veröffentlicht seit fünf Jahren auf renommierten Labels wie Whities, Timedance, u.a. ihre zum Teil aggressive und zeitgleich sehr futuristische Tanzmusik. Live konnte man sie bereits auf Festivals wie Unsound, oder Berlin Atonal neben Acts wie Objekt und Actress erleben, was im musikalischen Kontext durchaus passt. 

Entspannung finden wir in dem Longplayer "Life of the Plants" von Lee „Scratch" Perry, Peaking Lights & Ivan Lee [stones throw]. Electronic Dub im Stile von Chain Reaction mit verspielt poppiger Nuance, was bereits das Cover impliziert und Hang zur Psychedelik, den man vom Duo um Aaron Coyes und Indra Dunis aus Los Angeles bereits kennt. Ivan Lee ist ein Musiker aus Argentinien, der mit Lee Perry, mittlerweile 82 Jahre alt, tourte. Sehr tolle Kollaboration!

stefan wagner

Stand: 17.11.2019

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