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Der Sommer brachte dann doch viel Gutes und auch ein neues Album „Callus" [warp] meines Heroes Gonjasufi. Der in der kalifornischen Wüste lebende Maniac und Yoga-Lehrer im Umfeld von Flying Lotus, The Gaslamp Killer und der Los Angeleser Low End Theory-Szene bewegt sich zwischen HipHop, Downbeat, Blues, exotischen Klängen und das Alles ziemlich kaputt und übersteuert produziert. Zur Seite stand ihm Ex-The Cure Gitarrist Pearl Thompson. Wenn man sich drauf einlassen kann, dann nimmt einen das Album mit auf eine Reise, auch einzelne Songhighlights wie „Vinaigrette" oder „Afrikan Spaceship" finden sich unter den 19 Stücken. Mit dem im Jahr 2010 erschienenen Debüt „A Sufi And A Killer" – meinem Album des damaligen Jahres – schaffte er einen sehr eigenen Klangkosmos, seine Live-Show im Juni 2012 im K4/Zentralcafé war mein intensivstes Konzerterlebnis. Es hat ihn lange Zeit und Kraft gekostet, „Callus" fertigzustellen – nun ist es da und steht für sich. Tiefgründig und existentialistisch, eine Projektionsfläche für das Leid und die Abgründe dieser Welt.

Gudrun Gut, Labelbetreiberin von Monika Enterprise/Berlin, einst Mitglied bei den Einstürzenden Neubauten und Gründerin der 80er Jahre Band Malaria! tritt gelegentlich auch als Produzentin auf. Auf der Compilation „Vogelmixe" bearbeitet sie acht Heimatlieder aus Deutschland, wodurch oft rhythmische Dub-Techno beeinflusste, tanzbare Tracks entstehen. Die Originale stammen von der Zusammenstellung „Heimatlieder Aus Deutschland", auf der sich verschiedene Künstlerinnern und Künstler in unterschiedlichen Sprachen der Interpretation von mitgebrachten, eingewanderten Liedern annehmen. Gudrun Gut transportiert diese Lieder wiederum in einen aktuellen Clubkontext, der aber auch sehr gut Zuhause zu goutieren ist und spannt den Bogen von Kroatien, Türkei, Marokko zu Transsilvanien und Bulgarien.

Gerade erscheinen diverse tolle HipHop Platten (im weitesten Sinne) – Vince Staples „Prima Donna EP" mit Produktionshilfe von James Blake, ebenso wie Trim´s „1-800 Dinosaur presents Trim", bei dem die ganze Label-Posse und Freunde produziert haben, KA´s „Honor Killed The Samurai", De La Soul mit „And The Anonymous Nobody", Young Thug´s „No, My Name Is Jeffrey", Frank Ocean´s wunderbares und lange erwartetes „Blonde" Album – neben dem Visual-Album „Endless", die Californier Clipping. mit „Splendor Misery" und auch das erste physikalische Album des New Yorker Queer-Rapper und Performance Künstlers, oder Künstlerin Mykki Blanco, schlicht „Mykki" [!k7] betitelt nach diversen Underground Hits und Digital-Veröffentlichungen. Neben der grandiosen Vorab-Single mit Kurzfilm „Highschool Never Ends", bei der auch Woodkid, der das Album mitproduziert hat, als Gast auftritt, finden sich 12 weitere Songs, reich an Intensität und Facettenreichtum. Themen wie Gender, Rassismus, Weltpolitik, Internet und Obsessionen werden hier verhandelt und HipHop auf eine neue, zukunftsweisende Ebende transferiert.

Techno mit einer avantgardistischen Note im Stile eines Andy Stott lieferte uns Anfang des Jahres der Schotte Alex Smoke auf „Love Over Will" [r&s]. Mit „Love Over Will Remixes" erscheinen nun 11 Interpretationen von Künstlern wie Lakker, Tessela, aber auch Dub Versionen des Künstlers selbst.

Hinter Sekuoia steht der 23-jährige Däne Patrick Bech-Madsen, der mit „flac" seinen Debut-Longplayer nach diversen Singles, die er seit 2011 veröffentlicht hat, präsentiert. Datapop, inspiriert von Acts wie Caribou und Four Tet, aber auch die basslastige Beatszene und aktuelle Clubkultur haben Spuren hinterlassen. Positiv und gelegentlich verträumt, manche Tracks verwandeln sich durch Gastsängerin Kill J und Marc Roland zu Songs mit Wiedererkennungswert, warme und organische Instrumentierung. Erschienen ist es auf dem Berliner Label Humming Records von Vivien Mierzkalla, die mit ihrem Labelroster eine junge, „frische" und internatinale Familie zwischen Gitarre und Elektronik, Konzert und Club (K Flay, Sea Moya, Phoria, Vimes) versammelt.

Technopop auf eine eher abstrakte, gebrochen futuristische Form präsentiert uns der New Yorker Produzent Joe Williams mit seinem Solo-Projekt Motion Graphics [domino] auf gleichnamigen Album. Als Hälfte der Formation Co La ist ihm die Reflektion der technologischen Möglichkeiten der Jetztzeit wichtig, musikalisch verknüpft er Grime-Beats mit 80er Jahre-Japan-Pop und kosmischen ECM Jazz.

stefan wagner

Stand: 18.09.2016

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