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Das Verschwinden des Josef Mengele

veröffentlicht am 17.09.2025 | Lesezeit: ca. 2 Min.

Das Verschwinden des Josef Mengele

Das Verschwinden des Josef Mengele, Foto © Lupa Film CG Cinema HypeStudios

Kinostart: 23. Oktober; Kirill Serebrennikov;
Darsteller: August Diehl, Max Bretschneider, Dana Herfurth, Burghart Klaußner

Laurence Olivier, Charlton Heston und Gregory Peck haben ihn schon gespielt. Ebenso Götz George oder Ulrich Mühe. Nun gibt August Diehl den KZ-Arzt und Kriegsverbrecher Josef Mengele. Der Mediziner war verantwortlich für die Selektion der Ankömmlinge im Vernichtungslager Auschwitz und führte grausame medizinische Experimente durch. Wie anderen Nazi-Größen gelang dem „Todesengel“ nach Kriegsende die Flucht nach Südamerika. Unterstützt vom wohlhabenden Vater, dem Günzburger Landmaschinenfabrikanten, konnte Mengele sorgenfrei in Argentinien leben. Sogar ein Besuch in Bayern war für den Kriegsverbrecher 1956 problemlos möglich. Nach Vorlage des Tatsachenromans von Olivier Guez inszeniert der in Berlin lebende Russe Kirill Serebrennikov seinen Politthriller in Schwarz-Weiß-Bildern im Film-noir-Stil. Mit Zeitsprüngen erzählt er die Fluchtgeschichte von Argentinien über Paraguay bis nach Brasilien. Zur Konfrontation gerät 1977 der Besuch des erwachsenen Sohnes Ralf. „Warum warst du in Auschwitz? Was hast du dort wirklich gemacht?“, will Ralf wissen. Der Vater schweigt, erklärt sich zum Menschenfreund und Lebensretter. Wie es tatsächlich zuging, zeigt ein Rückblick in Farbe: Der Lagerarzt 1943 mit Gattin Martha beim unbeschwerten Bad am See. Später bei der Selektion an der Rampe. Und den brutalen Experimenten mit Gefangenen: Die erschreckende Banalität des Bösen mit Bildern wie in „The Zone of Interest“. Doch anders als der Oscar-Preisträger mit Sandra Hüller, bleibt dieses NS-Drama reichlich plakativ. Die Figuren bleiben eindimensional, die Dialoge hölzern und August Diehl findet keinen Zugang weder zu dem Monster noch dem Menschen Mengele. Seine Maske wirkt dabei ebenso unglaubwürdig wie das übertriebene Getue mit viel Geschrei. Mehr als ein braver Wikipedia-Eintrag bleibt da kaum übrig.
Dieter Oßwald

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