Kinostart: 30.4.; Regie: Uta Briesewitz;
Darsteller: Lili Reinhart, Daniela Melchior, Christiane Paul u. a.
Ein Traumjob sieht anders aus. Daisy (Lili Reinhart) möchte eigentlich Krankenschwester werden. Doch nun sitzt sie tagein, tagaus in einem Großraumbüro und sieht sich schlimme Internetvideos an. Als Angestellte der Firma Paladin ist sie als Content-Moderatorin dafür zuständig, Videos entweder zu löschen oder zu genehmigen. Die Regeln dafür sind aber eher schwammig, Daisys Chefin Joy (Christiane Paul) fürchtet ständig Repressalien bei zu Unrecht gelöschten Clips: „Wir sind keine Zensoren, sondern Moderatoren.“ Der angestaute Frust der Mitarbeiter wird unterschiedlich verarbeitet. Während der Kollege Bob (Joel Fry) gerne Glühlampen zerdeppert, geht Daisy mit ihrer befreundeten Kollegin Ava (Daniela Melchior) nach Dienstschluss einen heben oder raucht einen Joint. Und der firmeneigene Psychodoc steht auch zur Seite. Eines Tages sieht Daisy ein Video, das in seiner Brutalität so verstörend ist, dass es die 25-Jährige nicht mehr loslässt. Sie beginnt zu recherchieren und will den Verantwortlichen überführen. Dabei geht sie sogar so weit, sich als „Opfer“ zur Verfügung zu stellen.
Das Spannendste am Spielfilm-Regiedebüt der gefeierten deutschen Kamerafrau Uta Briesewitz ist nicht der Thriller-Plot, der seltsam zurückhaltend bleibt, sondern das Schildern der Arbeitssituation bei Paladin. Diese Jobs gibt es wirklich, und sie wurden auch schon im Dokumentarfilm „The Cleaners“ thematisiert. Hier werden meist junge Menschen mit Inhalten konfrontiert, die nur schwer zu verarbeiten sind. Dass die schrecklichen Videos dabei nicht gezeigt werden, ist nur konsequent: im Kopf des Zuschauers spielt sich allein durch die zu hörenden Geräusche genug Albtraum ab. Allerdings hätte „American Sweatshop“ in punkto Thriller ruhig etwas stringenter zur Sache gehen können; auch bleiben einige Handlungen Daisys ziemlich fragwürdig. Dennoch: ein Film, der uns in Untiefen der digitalen Kommunikation entführt. Wann endlich wird es untersagt, sich im Internet anonym zu betätigen? Martin Schwarz