Kinostart: 7.5. Regie: Zinnini Elkington;
Darsteller: Özlem Saglanmak, Trine Dyrholm, Mathilde Arcel, Olaf Johannessen
Wow, welch ein Debüt! Zwölf Nominierungen für den dänischen Filmpreis, in alle wichtigen Kategorien hat das Drama von Zinnini Elkington abgeräumt. Zugleich eine Ohrfeige für die Berlinale, solch ein Meisterwerk zu übersehen. Dabei hätte man es gerade dort besser wissen müssen: Die schweizerische „Heldin“ im Vorjahr avancierte zum großen Festival-Darling. Eine Krankenhaus-Geschichte von ähnlicher Intensität erzählt nun dieses dänische Drama. Auch hier geht es um die chronische Überforderung des Pflegepersonals. Sowie um die fatalen Folgen eines Fehlers. „Was ist der Unterschied zwischen einem Arzt und Gott? Gott weiß, dass er kein Arzt ist…“, scherzt man auf der Neurologie-Station. Viel zu lachen gibt es da nicht. Wegen Krankheit muss die unerfahrene Assistenzärztin Emilie die Aufsicht übernehmen. So souverän wie ihre Kollegin Alex agiert die übervorsichtige Kollegin noch lange nicht. Wie reine Routine wirkt der junge Oliver, der über Kopfschmerzen klagt und mit seiner Mutter Camilla (Trine Dyrholm) auf die Station kommt. Vermutlich nur ein Kater, lautet die Diagnose von Alex. Das MRT, wie von Emilie vorgeschlagen, hält sie für übertrieben. 18-Jährige spielen in der Schlaganfall-Statistik schließlich kaum eine Rolle. Doch Oliver ist die Ausnahme. „Ich habe nur 5 Minuten Zeit!“, sagt die Chefin bei der Nachbereitung des Falles. Gab es einen Kunstfehler? Wie bringt man die Diagnose den verzweifelten Eltern bei? Ähnlich wie „Heldin“ ist dieses Drama von der ersten Minute an voll auf Adrenalin. Die erste Viertelstunde kommt ohne Schnitte aus: Atemlos durch den Tag! Zu wenig Personal. Zu viel Stress. Wie ein Thriller wird der Klinik-Alltag inszeniert. Wie ein Horrorfilm gerät das fatale Schicksal des Teenagers. „Alle Ärzte haben einen Friedhof!“, kommentiert der Chirurg den Fall mit professioneller Routine. Özlem Saglanmak als Ärztin und Trine Dyrholm als Mutter bieten eine mitreißende emotionale tour de force, bei der jeder Ton stimmt. Kein Kitsch. Keine Sentimentalitäten. So entsteht einer der bewegendsten Filme des Jahres.
Dieter Oßwald