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Filmhaus Nürnberg

veröffentlicht am 16.04.2026 | Lesezeit: ca. 3 Min. | von DP Redaktion

Gavagai

Gavagai, Foto © Port au Prince Pictures

Im Mai setzt das Filmhaus die Schau zum Werk des ungarischen Regisseurs Béla Tarr mit drei Filmen fort: Schlüsselwerke, die er gemeinsam mit dem aktuellen Literaturnobelpreisträger László Krasznahorkai erarbeitet hat. Gemeinsam schufen die beiden ein eigengesetzliches ästhetisches Universum, das das Kino der Gegenwart zutiefst geprägt hat. Es gibt zudem erneut eine Retrospektive des Locarno Film Festivals: „Great Expectations: Britisches Nachkriegskino 1945–1960“. Die Reihe beleuchtet die prägende Phase des britischen Kinos von den letzten Kriegstagen bis zum Free Cinema, darunter Klassiker, Komödien, Melodramen und britische Varianten des Film noir.
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Frames & Frequencies“ begegnen sich am 28.4., 12.5. und 16.6. drei Hochschulen: Studierende der Akademie der Bildenden Künste, der Hochschule für Musik und der Technischen Hochschule Nürnberg zeigen Filme, filmische Skizzen und audiovisuelle Experimente. Ergänzt werden die Beiträge durch Positionen aus der freien Szene. Vom 04. bis 24.06. darf sich das Publikum außerdem auf einen ganz besonderen Schwerpunkt freuen: Das Filmhaus gedenkt der großen Marilyn Monroe, die im Juni 2026 100 Jahre alt geworden wäre.

Neben den bewährten Reihen hat das Filmhaus auch im Mai und Juni spannende Neustarts im Programm; hier eine Auswahl: Ulrich Köhler zeigt in seinem neuen Film die Dreharbeiten zu einer Medea-Verfilmung im Senegal und richtet seinen Blick dabei auf Asymmetrien: darauf, wie Mythen gebändigt und kolonisiert werden – und wie Gefühle zur Währung werden. Gavagai (noch im Mai zu sehen) ist eine spielerische Topografie des Missverstehens – und vielleicht Köhlers bislang mutigste Analyse der Gegenwart.
Was bleibt von einer Generation, die zwischen Bomben und Pop-Musik erwachsen wurde? Ein Film wie ein alter Song, durchzogen von Sehnsucht und Wehmut. Do you love me (ab 06.05.) von Lana Daher entfaltet aus über 20.000 Quellen ein melancholisches Panorama aus Archivmaterial, Radiostimmen und Erinnerungen, das die Seele des Libanon durchleuchtet. Es entsteht ein Film, wie man ihn so noch nie gesehen hat: ein dichtes, eindrucksvolles Porträt eines Landes.
Pedro Pinhos Film I only rest in the storm (ab 27.05.) ist ein vielschichtiges Werk, das das Verhältnis zwischen Europa und Afrika sowie die Rolle der Entwicklungszusammenarbeit kritisch beleuchtet. Dao (ab 17.06.), der dokumentarisch-experimentelle Spielfilm des französisch-senegalesischen Regisseurs Alain Gomis, würdigt die Bedeutung der Großfamilie. Sein dritter Beitrag im Wettbewerb der Berlinale ist weniger ein klassischer Film als vielmehr eine intensive Erfahrung – ein sinnlicher Rausch, der zuerst emotional erfasst wird, noch bevor er sich gedanklich einordnen lässt.

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