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Ticha, Hockney und Castillo Deball im Neuen Museum Nürnberg

veröffentlicht am 27.04.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Ludwig Märthesheimer

Installationsansicht von Mariana Castillo Deball, Nuremberg Map of Tenochtitlan, 2013 in der Ausstellung Cronotopo im Musée régional d’art contemporain Languedoc-Roussillon Sérignan, Frankreich, 28. Juni – 30. August 2015

Installationsansicht von Mariana Castillo Deball, Nuremberg Map of Tenochtitlan, 2013 in der Ausstellung Cronotopo im Musée régional d’art contemporain Languedoc-Roussillon Sérignan, Frankreich, 28. Juni – 30. August 2015, Foto © Jean-Christophe Lett. Courtesy der Künstlerin

Mit Mariana Castillo Deball, Hans Ticha und David Hockney versammelt das Neue Museum Nürnberg drei Positionen, die auf unterschiedliche Weise zeigen, wie Bilder Wissen erzeugen, speichern und transformieren.

Den Auftakt bildet die Fassadenarbeit von Mariana Castillo Deball - "Ella es la luna and she lights the darkness" (bis 30.8.). Ausgangspunkt ist die sogenannte „Nuremberg Map of Tenochtitlan“ von 1524 – die erste in Europa gedruckte Darstellung der aztekischen Hauptstadt. Die in Nürnberg erschienene Karte ist selbst Produkt frühneuzeitlicher Druck- und Wissenszirkulation. Castillo Deball, die seit Jahren mit Archiven, ethnologischen Sammlungen und historischen Dokumenten arbeitet, versteht Karten nicht als neutrale Abbilder, sondern als Instrumente kultureller Zuschreibung. Ihre monumentale textile Installation überträgt die historische Vorlage in die Gegenwart und macht sichtbar, wie Weltordnungen visuell konstruiert werden. Die Fassade des Museums wird so zur Projektionsfläche einer kritischen Geschichtsbefragung.

Ticha, 1940 geboren und an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ausgebildet, entwickelte eine unverwechselbare, klar konturierte Bildsprache. Seine Figuren erinnern an die konstruktive Moderne und zugleich an die plakative Ästhetik politischer Grafik. In ironisch gebrochenen Szenen untersuchte er Gesten, Rituale und Machtinszenierungen der DDR. Anders als viele seiner Zeitgenossen verweigerte er sich heroischen Pathosformeln und setzte stattdessen auf distanzierte Zuspitzung. Auch nach 1989 blieb seine Malerei kritisch und eigenständig. Parallel dazu schuf Ticha ein umfangreiches Werk als Kinder- und Jugendbuchillustrator – ein Aspekt, der das Jahresmotto „Literatur und Buch“ unmittelbar berührt. Die Retrospektive ist bis 14. Juni zu sehen.

Einen medientechnischen Kontrapunkt setzt David Hockney. Seit den 1980er Jahren experimentiert der britische Künstler mit neuen Technologien – von Polaroid-Collagen über Faxzeichnungen bis zu digitalen Tabletarbeiten. Die im Neuen Museum gezeigten Editionen, entstanden mit der App „Brushes“ und später auf dem iPad, dokumentieren eine konsequente Erweiterung malerischer Praxis.

(Neues Museum Nürnberg, Luitpoldstr. 5, Nürnberg)

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