Woran denkt ein Henker, wenn er einen Verurteilten buchstäblich einen Kopf kürzer macht? Dank des Tagebuchs des mittelalterlichen Scharfrichters Franz Schmidt aus Nürnberg wissen wir darüber Bescheid – und oft waren diese Gedanken erstaunlich banal.
Das ist der Ausgangspunkt für “Toxisch”, eines der vier Live-Hörspiele, die die Nürnberg-Fürther Gruppe LightsDownLow auf den Bühnen der Region zur Aufführung bringt. “Auch an das grimmige Thema gehen wir nicht todernst heran”, beruhigt Mit-Vorstand Elmar Vogt, der die Produktion federführend betreut, “stattdessen wollen wir die Parallelen zur Gegenwart aufzeigen – mit unserem ganz eigenen Stil.” So entstand das Programm unter dem Titel “Legenden”.
Im April und Mai werden die SprecherInnen von LightsDownLow wieder im verdunkelten Saal vor ihren Mikrofonen stehen. Dort erzeugen sie dann zusammen mit einer ausgeklügelten Geräuschkulisse bei ihrem Publikum “Kino im Kopf”.
Heikel wird das bei einer anderen der Geschichten aus “Legenden”: Beim “Wassergespenst von Harrowby Hall”, der Adaption einer Kurzgeschichte von J. K. Bang, gilt es, dem titelgebenden Spuk akustisch Leben einzuhauchen – kein leichtes Unterfangen, nachdem noch nie jemand ein Wassergespenst gehört hat, aber sein Geräusch trotzdem auf Anhieb erkennbar sein soll.
Einen anderen Weg geht Vogt, der auch Autor ist, bei “Parzival”. “Wir haben schon Hamlet als fünfzehnminütigen Italo-Western auf die Bühne gebracht”, meint er, und fragt, warum nicht auch das mittelalterliche Epos als Hörspiel funktionieren solle – mit neuem Text in Blankvers, drastisch gekürzt und akustisch auf das Wesentliche reduziert, “sozusagen ein Konzentrat aus den 25.000 Versen der Vorlage.”
Das Quartett wird ergänzt durch “Hinterland”, eine Geschichte aus der walisischen Provinz, die den dortigen Mythos der “Canwyll Corff”, der “Leichenkerzen” thematisiert – eine weitere Legende eben.