Gleich einer sanften Meeresbrise streichelt der Retro-geschwängerte Tropicália-Sound des brasilianischen Singer und Songwriters Sessa auf „Pequena Vertigem de Amor“ (Mexican Summer) die gestressten Ohren. Mit Unterstützung eines üppigen Orchesters becirct Sessa auf seinem dritten Album mit fein-souligem Touch, inspiriert von Einflüssen aus Nord- und Südamerika von Shuggie Otis, Roy Ayers und Sly Stone bis hin zu Erasmo Carlos, Tim Maia und Hyldon. Er beschreibt das Album als „etwas nächtlicher, offener, schräg-funkig“, was sich auch in seinem veränderten Gitarrenstil niederschlägt. Anders als bisher stärker gitarrenlastig, liegt der Schwerpunkt auf Rhythmus und erhöhten Tempi, er experimentiert mit neuen Gesangskadenzen und Texturen, fügt eine Reihe von Musikinstrumenten hinzu, die bisher nicht zu hören waren, wie Klavier, Synthesizer, Wah-Wah-Gitarre und eine primitive Drum Machine. Der aus São Paulo stammende Sessa richtet auf „Kleiner Liebesschwindel“ über neun Titel seinen Blick nach oben, zum unendlichen Himmel, und schaut auf die Universalität in der Intimität des Vaterwerdens. Für ihn sind die Songs „eine Mischung aus persönlichen Chroniken und stillen Meditationen über das Leben angesichts persönlicher Veränderungen, über das Erleben von etwas so Großem, dass man sich seiner eigenen Bedeutungslosigkeit in Raum und Zeit bewusst wird“. Seine Texte sind sentimental, direkt und umkreisen die Freuden und Schmerzen seiner neuen Lebensphase. „Zum ersten Mal sah ich, wie die Musik aus dem Mittelpunkt meines Lebens an den Rand rückte“, erklärt er. So hat ihm die radikale Neuordnung seiner Prioritäten neue Soundpfade für seine Musik eröffnet.
Jürgen Parr