Filmstart: 12.3. Regie: Richard Linklater,
Darsteller: Guillaume Marbeck, Zoey Deutch, Aubry Dullin u.a.
Ein Hin und Her zwischen Frankreich und den USA: Richard Linklater, einer der einflussreichsten US-Filmemacher der vergangenen 30 Jahre, mit dem Meilenstein „Dazed & Confused“, der großartigen „Before-Trilogie“ und dem bahnbrechenden „Boyhood“, nimmt sich jener Generation französischer Filmkritiker und dann Filmemacher an, die ab Mitte der 50er-Jahre als erste Intellektuelle das ästhetische Können von Hollywood-Größen wie Howard Hawks und Alfred Hitchcock feierten und damit einen neuen Blick auf das US-Kino freigaben. Und die durch bahnbrechende Filme der „Neuen Welle“ wie Truffauts „Sie küssten und sie schlugen ihn“, Chabrols „Schrei, wenn du kannst“, Resnais´ „Hiroshima mon amour“ oder Malles „Fahrstuhl zum Schafott“ wiederum viel später den jungen Richard Linklater zum Filmemachen animierten.
Mit „Nouvelle Vague“ hat sich Linklater nun einen Herzenswunsch erfüllt und sich des wohl wichtigsten Films dieser Reihe angenommen: „Außer Atem“ von Jean-Luc Godard. Das Erstaunlichste an dieser natürlich auf Französisch gedrehten Hommage: Obwohl Linklater und sein Team bis ins letzte Detail das Paris des Jahres 1959 und die Umstände der Produktion von Godards Film nachzeichnen, versprüht der Film genau jene Leichtigkeit und Verspieltheit, die Godard selbst für sein Debüt so wichtig waren.
Frankreich 1959. Soeben wurde François Truffaut für sein Debüt „Sie küssten und sie schlugen ihn“ in Cannes gefeiert. Dieser Umstand setzt Jean-Luc Godard, Truffauts Filmkritikerkollege bei der „Cahiers du cinema“, gehörig unter Druck: Er muss endlich auch seinen ersten Langfilm drehen! Gemeinsam mit dem Produzenten Georges de Beauregard (Bruno Dreyfürst) wagt er sich an einen Kriminalfilm, in dem der unbekannte Jean-Paul Belmondo (Aubry Dullin) und die US-Amerikanerin Jean Seberg (Zoey Deutch) die Hauptrollen spielen sollen. Doch diese drei haben keine Ahnung, mit welcher Unbekümmertheit Godard fortan sein filmisches Ding durchzieht, auf ästhetische und konzeptionelle Regeln pfeift und mit seiner Gruppe von Filmverrückten letztlich das Kino revolutioniert.
Die Begeisterung dieser jungen Wilden für das Medium, die überträgt sich auch auf die Zuschauer dieser hinreißenden, mitunter sehr komischen Verbeugung vor Godard, seinen damaligen Kollegen und dem Kino an sich. Denn viel näher kann man der damaligen Szenerie nicht kommen – mit Schauspielern, die ihren Vorbildern extrem ähneln, mit einer an „Außer Atem“ angelehnten Schwarzweiß-Ästhetik, mit einem bis in kleinste Kleinigkeiten nachgestellten Setting, mit etlichen Bonmots für die Ewigkeit – und einer schwindelerregenden Lässigkeit. Ein Meisterwerk über ein Meisterwerk.
Martin Schwarz