Kinostart: 19.3. Regie: Georgi M. Unkovski;
Darsteller: Arif Jakup, Dora Akan Zlatanova, Agush Agushev u.a.
Nordmazedonien? Da muss man kurz überlegen. Das ist jenes kleine Land zwischen Bulgarien im Osten, Albanien im Westen und Griechenland im Süden, das erst seit 2019 offiziell so heißt. An Filme aus dieser Region kann man sich nicht erinnern. Umso spannender ist es nun, Land und Leute mittels dieses Spielfilmdebüts von Autor und Regisseur Georgi M. Unkovski kennenzulernen.
Und er hat ein echtes Traumpaar zu bieten: der 15-jährige Schafhirte Ahmet (Arif Jakup) und sein kleiner Bruder Naim (Agush Agushev). Denn die beiden verstehen sich prima. Obwohl Naim eigentlich gar nicht spricht, funktioniert die Kommunikation zwischen den Brüdern bestens. Und Naim hat auch größte Sympathie für den Wunschtraum seines großen Bruders: Ahmet möchte unbedingt Techno-DJ werden. Doch das erscheint unmöglich, ist der Junge doch dazu verdammt, jene 20 Schafe zu hüten, die ihm der stets traurig wirkende und alleinerziehende Vater ihm anvertraut hat – und das irgendwo in der nordmazedonischen Provinz, wo uralte, in diesem Fall muslimische Traditionen noch gelebt werden, seien sie auch noch so überholt.
Eine dieser Traditionen ist die Zwangsheirat. Und die blüht ausgerechnet jenem Mädchen, in das Ahmet sich bei einem der seltenen Raves in dieser Gegend verliebt hat. Doch die angehimmelte Aya (Dora Akan Zlatanova) hat schon einen Plan: Sie will mit einigen Freundinnen bei einem Fest einen derart dreisten Tanz aufführen, dass im Idealfall der Bräutigam und seine Familie das Weite suchen.
Von der ersten Minute an fühlt man sich auf der Seite Ahmets, diesem offenen und sympathischen Jungen und bangt mit ihm, er möge die Fesseln der Traditionen und Lebensumstände sprengen und seinen Traum leben. Georgi M. Unkovski reichert seinen zigfach preisgekrönten Film mit viel Humor an, bei dem die Schafe eine ebenso zentrale Rolle spielen wie ein „Technotraktor“. Dennoch stellt er die Lebensweise der nordmazedonischen Landbevölkerung nicht bloß, sondern führt gekonnt vor, dass auch hier ein Weg in die Moderne möglich ist. Ein ungewöhnlicher Film, der Spaß und Mut macht.
Martin Schwarz