Sie glauben an Engek, Herr Drowak? Karl Markovics als Hugo, Foto © Zieglerfilm Baden-Baden X-Verleih AG
Kinostart: 26.2. Regie: Nicolas Stiener;
Darsteller: Luna Wedler, Lars Eidinger, Karl Markovics
Mehr rigorose Filme wagen! Das nimmt sich der Schweizer Nicolas Steiner mit seinem Kinodebüt vor und er geht dabei all in: Eine ausgesprochen schräge Story über einen schrulligen Sonderling. Die lebensfrohe Studentin Lena will den titelgebenden Kotzbrocken-Kauz mit Schreibtherapie aus seinem Elend retten. Als wäre das nicht schwierig genug, mischt sich der mehr als merkwürdige Amtsleiter ständig ein. Kontrastreiches Schwarz-Weiß sorgt für atmosphärisch dichte Bilder. „Hattest du einen schlechten Tag?“ wird das Mädchen gefragt. „Sag bloß, es gibt auch gute!“. Prompt bekommt die Neunjährige einen Schnaps. „Wer alt genug ist, verprügelt zu werden, der darf auch saufen.“ Solch sarkastische Dialoge sollte man mögen, sonst sagt man schnell „Ich bin raus!“. Die Titelfigur ist ein kauziger Kotzbrocken. Ein verbitterter Widerling, der die Menschen hasst und den Alkohol liebt. Schauspiel-Chamäleon Karl Markovics gibt den Stinkstiefel mit ähnlich perfider Perfektion, wie einst Jack Nicholson den Miesepeter in „Besser geht’s nicht“. Als rettender Engel agiert sie schwer angesagte Luna Wedler (Venedig-Gewinnerin für „Silent Friend“), die sich einmal mehr als eines der aktuell großartigsten Schauspieltalente hierzulande erweist. „Was fehlt Ihnen zum Glück?“, will sie wissen. „Die Abwesenheit aller Menschen!“, gibt es als mürrische Antwort. Mit Engelsgeduld und einer Schreibmaschine kommt Lena schließlich ans Ziel. Ihr Klient erweist sich als begnadeter Autor. Wenn er poetisch über die Liebe schreibt, werden sogar die Schwarzweiß-Bilder plötzlich farbig. Auch der seltsame Amtsleiter (Lars Eidinger) scheint gerührt, „pure Poesie“ bescheinigt er dem Werk. Mit Fischaugen-Objektiv setzt Regisseur Steiner sein kafkaeskes Trauerspiel in Szene. Bei den brutalistisch anmutenden Bauten durften die Gewerke sich ebenso austoben wie bei der Inneneinrichtung der Messi-Wohnung mit ihrer „Wohnst du noch oder stirbst du schon?“-Atmosphäre. Die Auftritte des Lars Eidinger sind kurz und clownesk. Er läuft rückwärts zur Pressekonferenz, oder darf mit einer Axt die Ananas auf seinem Schreibtisch spalten. Ob er sich solche kreativen Freiheiten als kommender „Superman“-Schurke Brainiac auch noch leisten kann?
Dieter Oßwald