Film

Blue Moon

veröffentlicht am 15.02.2026 | Lesezeit: ca. 2 Min.

Filmstreifen

Filmstreifen, Foto © pixabay/geralt

Kinostart: 26.3. Regie: Richard Linklater;
Darsteller: Ethan Hawke, Andrew Scott, Bobby Cannavale; Simon Delaney

Am Anfang ist das Ende. Während Lorenz Hart (Ethan Hawke) durch die Gosse taumelt, berichten die Radio-Nachrichten aus dem Off bereits über dessen Tod und rühmen seine Broadway-Hits wie „Blue Moon“ oder „My Funny Valentine“. Das war’s mit Action, fortan spielt das biografische Drama ausschließlich in einer Bar. Es ist der Abend des 31. März 1943, an dem die Premiere von „Oklahoma“ angesagt ist. Für Hart kein Grund zum Feiern, die besten Zeiten hat der Künstler längst hinter sich. Wer Sorgen hat, hat auch Likör. Mit Barmann Eddie findet sich ein geduldiger Zuhörer. Auch beim Publikum ist Geduld gefragt. Der Texter entpuppt sich als Dampfplauderer, ein Wort-Tsunami folgt dem nächsten. Sensibles Genie oder empathieloser Kotzbrocken? Stiege so einer zu einem ins Zugabteil, würde man vermutlich schnell das Weite suchen. Dass man dem eitlen Nervtöter dennoch gewogen bleibt, liegt an dessen umwerfendem Darsteller Ethan Hawke. Er lässt unangestrengt hinter die Angeber-Fassade blicken und zeigt in seiner eindrucksvollen Charakterstudie einen enttäuschten Künstler voller Sehnsucht und Selbstzweifeln. Nicht nur das Dialog-Dauerfeuer fordert die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums, bei den Zeitsprüngen der nichtlinearen Erzählstruktur sollte man ebenfalls am Ball bleiben. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer träumerischen, fast meditativen Atmosphäre belohnt. Mit diesem Konversationsstück in Echtzeit in einer kleinen Bar präsentiert sich Richard Linklater in seinem 23. Streich einmal mehr als origineller Kino-Erzähler, der seine Geschichte souverän im Griff hat. Wie üblich erweist sich das empathische Gespür für die Figuren als Trumpfkarte. Hawke hat spürbar Spaß an den schier endlosen Wortkaskaden und geistreichen Bonmots. Nach neun gemeinsamen Filmen auf dem Buckel verstehen sich Regisseur und Schauspieler blind. Auch Nebendarsteller Andrew Scott gebührt Lob, er bekam für seine Leistung auf der Berlinale den Schauspielpreis.

Dieter Oßwald

Passende Termine

Schlagworte:

Ähnliche Artikel:

Kleinkunst

ensemble KONTRASTE u. Pius Maria Cüppers: Dichtercafé: „Das Spiegelkabinett“, Texte u. Musik

08.11., 15:30 Uhr

„Ein wahrhaft kulinarisches Prosastück“ nannte Marcel Reich-Ranicki die faszinierende Novelle über zwei rivalisierende Brüder „Das Spiegelkabinett“ von Michael S

Kleinkunst

Maria Vollmer

10.12., 20:00 Uhr

Auch in diesem Jahr gehen wir in der Adventszeit wieder durch ein Wechselbad der Gefühle: Von der Glühwein-Euphorie unterm Heizpilz – bis zur akuten Depressionangesichts von Lichterket

Kleinkunst

Wilhelm Wahl

08.11., 19:30 Uhr

Mit seinem dritten „wahlweise“ ist William Wahl nun auf Tour. Sorgen seine Wortspiele verlässlich für Lachsalven, ist es doch die ganz besondere Mischung aus Poesie und Komik, mi

Kleinkunst

Weihnachtsshow von Wolfgang Krebs

20.12., 16:00 Uhr

Der bayerische Ministerpräsident lädt alle ehemaligen und aktuellen Kollegen rechtzeitig vor dem Jahreswechsel zu einem lustigen und bunten Abend ein. Aus Kostengründen bestreiten alle

Film

SommerNachtFilmFestival

Das SommerNachtFilmFestival (SNFF) lädt Filmbegeisterte auch 2025 wieder zu unvergesslichen Open-Air-Kinoerlebnissen ein. Vom 5. bis 30. August verwandeln sich diverse, teils überraschende S

Sie sehen hier die >Aussenansicht eines Kinos

Kinos

Griechische Filmkunst in Nürnberg

Zum 9. Mal bringen die Griechischen Filmtage ein Stück griechischer Filmkultur nach Nürnberg: Das Filmhaus lädt dazu ein, Perspektiven des griechischen Films zu entdecken. In Kooperatio

Sie sehen hier einen Kinosaal mit Zuschauern die auf die Leinwand schauen

Kinos

Kommkino

Am 3.11. ist in der Tuesday Trash Night ein schon im Titel unglaubliches Werk zu bestaunen: „Das Frauenlager der Ninja“ des berüchtigten Hongkong-Trashmeisters Godfrey Ho. Wo andere F

Hier sehen Sie einen mehrtürigen Kinoeingang von außen

Film

Filmhaus Nürnberg

Wenn es draußen so richtig kalt wird, ist es im Kino umso gemütlicher – und für einen Besuch im Filmhaus Nürnberg gibt es im November und Dezember viele gute Gründe: Vo