Seit 2023 veröffentlicht der Amsterdamer DJ und Produzent styn über seine Bandcamp-Site [https://stynstyn.bandcamp.com/] anfangs Kassetten neben digitalen Tracks, irgendwo zwischen beatlastigem Techno, UK Bass und HipHop, zudem ist er beim Brüsseler freien Kiosk-Radio aktiv, einem Modell inspiriert von Rinse FM und NTS. Ende letzten Jahres hat er mit einigen EPs meine Aufmerksamkeit geweckt, nun kommt mit „Bluprnt“ seine umfangreichste Veröffentlichung. Ein rhythmisch getriebenes, tanzorientiertes Album, das seine Einflüsse zu einem präzisen Clubstatement vereint. Verwurzelt in frühen Dubstep-Sounds und geprägt von Bubbling - es gab auch schonmal die Koop „Bubbling Back 2 Back“ mit De Schuurman fame of Nyege Nyege Tapes - und Kuduros dynamischer Energie, setzt das Album auf Groove, Druck und Kontinuität statt auf ständige Drops. „Bluprnt“ entstand parallel zu seinen DJ-Sets im letzten Jahr und konzentriert sich auf die Momente zwischen den Höhepunkten. Soundtechnisch vereint styn den wuchtigen Bass von Dubstep mit dem rasanten Swing von Bubbling, dem perkussiven Drive von Kuduro, Juke-artigen Vocal-Chops und der Zurückhaltung des Post-Dubstep. Das künstlerisch ansprechende Cover-Artwork, das eine Kunstinstallation von Victor Schoester abbildet, spiegelt diese subtile und doch kraftvolle Atmosphäre durch leere Anführungszeichen wider – Symbole ohne Bedeutung, die einen Sound symbolisieren, dem zwar die höchste Energie fehlt, der aber dennoch voller Erinnerungen ist.
Bleiben wir in den Niederlanden, zumindest was das Label betrifft. Dekmantel veröffentlicht seit mehr als 15 Jahren weitestgehend Musik im Clubkontext, unter gleichem Namen findet ein Festival, das sich der anspruchsvolleren elektronischen Musik widmet, statt und nun präsentieren in einer scharfsinnigen und innovativen Auseinandersetzung mit der Clubkultur Simo Cell und Abdullah Miniaway ihr neues Album „Dying Is The Internet“ im Rahmen der UFO-Reihe von Dekmantel. Der französische Produzent Simo Cell hat sich von seinen Dubstep-Einflüssen zu einer Schlüsselfigur der zeitgenössischen experimentellen Clubmusik entwickelt und kreiert mit seinen abenteuerlichen Rhythmen und extravaganten Produktionen immer wieder neue, frische Sounds für die Tanzfläche. Der ägyptische Sänger, Dichter, Produzent und Komponist Abdullah Miniawy ist in den letzten zehn Jahren allgegenwärtig geworden, z.B. vor paar Jahren zusammen mit dem teils in München ansässigen Trio Carl Gari, u.a. live im Haus der Kunst und Import/Export und bewegt sich zwischen Kunst und Clubkultur. Seine eindringliche arabische Lyrik prägt sein Schaffen, während sein unstillbarer Wissensdurst ihn zu offener, experimenteller Musik inspiriert, die von abstrakt bis treibend reicht. Auf dem Album experimentiert Miniawy mit Autotune, während Simo Cell seine Skills im Bereich Voice-Design und sein kompositorisches Gespür weiterentwickelt hat und sich so ausgereiften Songstrukturen annähert, ohne dabei die grundlegende Club-Atmosphäre der einzelnen Tracks zu verlieren. Das Ergebnis ist eine stimmige, cutting edge Dance-Musik, die Hits liefert – von Miniawys lakonischer Trompete in den entspannten Stücken bis hin zu beständigen Handclaps. Eine Kollaboration gibt es auch mit dem kenianische Ausnahmemusiker Lord Spikeheart.
Von Will Hofbauer & Sangre Voss kommt die „whirm LP“ [whirm]. Mit ihrem Label „whirm“, das sie 2024 gründeten, haben die beiden eine einzigartige Nische in der Welt der kuriosen und bizarren elektronischen Tanzmusik erobert und Unterstützung von Größen wie Ben UFO, Mary Anne Hobbs und vielen anderen erhalten. Auf diesem Album präsentieren Will & Sangre die Früchte fünfjähriger Zusammenarbeit: zehn mitreißende und exzentrische Kompositionen, die das gesamte Spektrum des „whirm“-Sounds abdecken. Im Grunde ist es Tanzmusik, aber alles ist durchtränkt von Quetschgeräuschen, ungelenken, ruckartigen Rhythmen und Melodien.“ SV.
Auch von Sam Shackleton ist eine neues Album, „Euphorie Bound“ [ad93] erschienen. Auf zehn Tracks entfaltet das Album ein ebenso ambitioniertes wie kompromissloses Klangspektrum von bekannten, für ihn charakteristischen Sounds auf eine sehr psychedelische, trippy Art. +++ Und auch Dan Snaith aka Caribou hat einen neuen Longplayer unter seinem Daphni Alias veröffentlicht, „Butterfly“ [jiaolong].
stefan wagner