Film

Was uns verbindet

veröffentlicht am 15.07.2025 | Lesezeit: ca. 2 Min. | von Vroni Sterner

Was uns verbindet

Was uns verbindet, Foto © AlamodeFilm

Kinostart: 7.8.; Regie: Carine Tardieu, Darsteller: Valerie Bruni-Tedeschi, Pio Marmaï, Cesare Botti, Vimala Pons u.a.

Man darf sich Sandra (Valerie Bruni-Tedeschi) sehr wohl als glücklichen Menschen vorstellen. Sie ist Mitte 50 und überzeugter Single, betreibt eine kleine feministische Buchhandlung, hat hie und da einen Mann fürs Bett und eine kluge Mutter, die gerne mal provoziert. Eine unabhängige Frau, die ihr Selbstbewusstsein nicht als Schutzschild vor sich herträgt. Eines Tages klingeln die Nachbarn bei ihr. Bei Cécile ist die Fruchtblase überraschend geplatzt, und Sandra wird gebeten, auf den kleinen Sohn Elliott (Cesare Botti) aufzupassen. Doch in der Nacht steht Céciles Mann Alex (Pio Marmaï) tränenüberströmt in der Tür: Cécile hat die Entbindung nicht überlebt, die kleine Lucille aber schon. Diese Katastrophe leitet eine langsame Wandlung in Sandras Leben ein, und hauptverantwortlich hierfür ist Elliott. Der kluge Bub fühlt sich zu der Nachbarin hingezogen, ist ein genauer Beobachter und stellt raffinierte Fragen, die Sandra eloquent beantwortet. So rückt Sandra immer näher an diese Familie heran. In Elliotts Leben tritt zudem sein leiblicher Vater David (Raphaël Quenard), der sich fortan die Betreuung des Jungen mit Alex teilt. Und in Alex’ Leben tritt die Ärztin Emilia (Vimala Pons), die beiden verlieben sich und werden ein Paar. Die große Stärke im neuen Film von Carine Tardieu (nach „Eine bretonische Liebe“, 2017) sind die behutsam ausformulierten und durchweg großartig gespielten Figuren bis in kleine Nebenrollen. Ausgestattet mit diesem ungeheuer echt wirkenden Ensemble entwirft Tardieu – basierend auf dem Roman „L’intimité“ von Alice Ferney – ein mitreißendes Kaleidoskop menschlicher Beziehungen, sei es nun unter Freunden, in der Partnerschaft oder mit ungewöhnlichen Familienbanden. Und wir lernen einmal mehr: Intensive Beziehungen sind nun mal kompliziert, wenn man sich dem Gegenüber öffnen und nicht gleichzeitig sein gesamtes Lebenskonzept auf den Kopf stellen will. Dabei wirkt der Film nie geschwätzig und besitzt sogar einen sanften Humor.
Martin Schwarz

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