Bühne

Spielzeit 2025/2026 im Stadttheater Fürth

veröffentlicht am 03.07.2025 | Lesezeit: ca. 4 Min. | von Manfred Kunz

„Felix Krull – Stunde der Hochstapler“

„Felix Krull – Stunde der Hochstapler“, Foto © JR Berliner Ensemble

Auf zehn Premieren, darunter zwei Uraufführungen und eine Deutsche Erstaufführung, darf sich das Publikum im Stadttheater Fürth freuen. Intendantin Dr. Silvia Stolz und ihr Team haben für die Spielzeit 2025/2026 einen Spielplan entwickelt, der die gegenwärtige Zeit der gesellschaftlichen Verunsicherung widerspiegelt. Es ist eine Zeit, in welcher wir alle wissen, dass die Demokratien – auch die deutsche – gefährdet sind. Eine Zeit, der das Stadttheater Fürth den "Zusammen.HALT" entgegensetzen will. So fragt der Spielplan an vielen Stellen, mal ernsthaft, mal voller Freude nach diesem Zusammenhalt. Es geht um das, was uns zusammenhält – als Stadt und als Gesellschaft. Es geht darum, sich gegenseitig wieder Halt zu geben. Auch die Kunst kann eine Form des Halts sein. Wir können in eine dystopische Zukunft blicken, wenn uns dieser Zusammen.HALT nicht gelingt, wir können aber auch an der Fähigkeit arbeiten, trotz aller Verschiedenheit und Unterschiede gemeinsam Lösungen für die vielfältigen Herausforderungen zu finden. Mut ist also gefragt – auch Mut zur Erneuerung. Auch deshalb ist das Programm der zweiten Spielzeit nach der Ära Müller noch vielfältiger als im letzten Jahr und mit rund 120 verschiedenen Produktionen auch noch einmal umfangreicher. Das Programm will ein Fest der Vielfalt sein, wenn das Stadttheater zur Bühne von Vielfalt, Diversität und Inklusion wird.

Mit einem inhaltlich fokussierten und starken Spielzeitauftakt eröffnet das Stadttheater Fürth am 25. Sept. 2025. Prof. Michel Friedman hält einen Vortrag, an den sich eine Podiumsdiskussion mit der Autorin Theresia Walser und dem Antisemitismus-Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung Ludwig Spaenle anschließen wird. Am 26. Sept. folgt dann die Uraufführung von Theresia Walsers "Von allen Geistern“, einem Auftragswerk, das den Schulalltag nach der Machtübernahme durch Rechtsextreme imaginiert. Einen weiteren Tag später, am 27. Sept., schließt sich die Deutsche Erstaufführung des Musicals "Briefe von Ruth“ an. Es basiert auf Briefen und Tagebüchern der Wiener Jüdin Ruth Maier aus den Jahren 1933 bis 1942.

Neben warnenden Tönen will das Stadttheater aber mit seinem Spielplan 2025/2026 vor allem ein Fest der Vielfalt feiern. Das passiert, wenn am 20er-Jahre-Wochenende am 20. und 21. März die Roaring Twenties in den Mittelpunkt gerückt werden oder das Stadttheater eine Bühne der Vielfalt, Diversität und Inklusion bietet. Diana Salles in ihrem preisgekrönten, poetischen Zirkussolo – einem Plädoyer für mehr Verständnis und Empathie gegenüber Transmenschen. Die Show ist ein künstlerisches Porträt für Mut, Freiheit und Selbst-Liebe. Die Dragqueen Vicky Voyage mit ihrer legendären Dragshow oder die Inklusionskomödie "Die Goldfische“, bei der das Ensemble teilweise aus Menschen mit Behinderung besteht, sind ebenso wunderbare Produktionen, mit denen das Stadttheater den Zusammen.HALT feiert.

Keinesfalls fehlen darf aber auch das klassische Schauspiel. So kommt in der zweiten großen Premiere am 10. April 2026 der Klassiker "Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist in der Inszenierung von Sebastian Sommer auf die Bühne des Fürther Theaters. Kleists 200 Jahre alte Justizkomödie entlarvt mit bissigem Witz die Mechanismen männlicher Machtausübung und institutioneller Selbstschutz-Reflexe. Eine erschreckend aktuelle Parabel über Nötigung im Amt, Täter-Opfer-Umkehr und eine Gesellschaft, die trotz besseren Wissens lieber wegschaut.

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