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Interview mit Extremsportler Stefan Glowacz

Stefan Glowacz

Extremsportler und Abenteurer Stefan Glowacz sprach im Rahmen des Fernwehfestivals mit uns über Veränderung – Anpassung – Individuum bleiben.


DP: Das Leben besteht aus Veränderung, zwei Bereiche wären das Klima und die eigene Leistungsfähigkeit.
Stefan Stefan Glowacz: Der Klimawandel beeinflusst generell das Leben. Seit 15 Jahren z.B. planen wir eine Erstbegehung im Höllental bei Garmisch. Vom Gefühl her war diese Nordwand vor einigen Jahren noch kälter. Aber wir empfinden es nicht so, weil wir uns anpassen. Ein anderes Beispiel: Die Wissenschaftler der Senkenberg Stiftung in Frankfurt zeigten uns Statistiken von Baffin Island und macht die Veränderungen sichtbar, als wir eine Expedition in diese Region letztes Jahr planten. Wir müssen die Gletschersituation, die Schneeschmelze bei der Planung unserer Expedition natürlich berücksichtigen. Beim Klettern in Chamonix können wir uns nur noch auf den Winter verlassen, nur dann wird das Gestein noch durch den Permafrost zusammengehalten. Die Klimabedingungen müssen wir als Kletterer akzeptieren.


DP: Wie verändert sich deine Leistungsfähigkeit?
Stefan Glowacz: Im biologisch-klassischen Sinn muss ich mich an eine andere Leistungsfähigkeit anpassen. Das ist ein interessanter Prozess, eine Auseinandersetzung, die ich bewusst annehme und annehmen muss, für die eine Akzeptanz notwendig ist. Je länger mein Leben dauert, desto längere Erholungsphasen muss ich einkalkulieren. Man sträubt sich zwar, aber es ist ein offensichtlicher, natürlicher Prozess, bei dem sich zwar die körperliche Leistungsfähigkeit verändert, aber auf der anderen Seite die mentale Komponente immer stärker wird. Man kann es als Lebensschule begreifen, dass der Körper sich in Bezug auf das eigene Leben verändert. Man entwickelt eine Bescheidenheit und eine Dankbarkeit. Ich habe bisher ein sehr erfülltes Leben gelebt, das auch noch lange nicht vorbei sein soll. Es ändert sich eben nur.
DP: Was bedeutet es für das Klettern?
Stefan Glowacz: Das Klettern beinhaltet so viele Disziplinen, also auch viele Möglichkeiten, um mir mit meiner Erfahrung neue Schwerpunkte zu setzen. Allerdings ist meine Bereitschaft ein sehr hohes Risiko einzugehen nicht mehr so gegeben, das ist ein Privileg der Jugend und diese Phase habe ich mehr als genug ausgekostet.


DP: Fällt diese Anpassung leicht?
Stefan Glowacz: Nein, das ist nicht leicht, aber da musst du durch. Du wirst täglich damit konfrontiert, die Situationen anzunehmen und deine Sichtweise zu verändern. Die ganze Lebensform kann sich so verändern. Aber wichtig sind immer Leidenschaft und die Neugier auf Unbekanntes. Dieses Aufbrechen zu neuen Expeditionen motiviert mich, in allen Bereichen meine Leistungsfähigkeit so lange wie möglich zu erhalten. Dafür braucht es Disziplin, genügend Schlaf, genügend lange Erholungsphasen und eine optimale Ernährung. Ich lebe jetzt noch bewusster als ich es früher sowieso schon getan habe.


DP: Welche Sinne sind für dich besonders wichtig?
Stefan Glowacz: Die Beobachtungsgabe und die Instinkte. Eine Expedition kann noch so gut vorbereitet sein, aber die Instinkte, die man als Kind schon entwickelt hat, sind entscheidend. Die Sensibilisierung für die Wahrnehmung des Umfelds, der Umgebung sehe ich für einen Bergsteiger als sehr wichtig an. Allein, wenn sich das Wetter verändert, kann man damit gut umgehen, wenn man diese Instinkte in frühen Jahren entwickelt hat.


DP: Wie bleibt man in einer Gruppe ein Individuum?
Stefan Glowacz: Ich selbst bin am liebsten in Gruppen unterwegs mit starken Charakteren, die das Talent besitzen ihre eigenen Egos runterzufahren, um sich so für die Sache einzusetzen. Am besten bisher hat das mit Kurt Albert und Holger Heuber funktioniert. Wir wollten alle das Gleiche, es gab keinen Egotrip. Es war immer diese Gelassenheit vorhanden sich selbst und den anderen nichts beweisen zu müssen. Dieser Respekt für den anderen, diese hohe Wertschätzung ergab dieses gute Gefühl im Team, ohne Profilierung. Agiert man nicht auf Augenhöhe, wird es anstrengend. Man hat die Persönlichkeit dazu oder man hat sie nicht. Und daraus ergibt sich diese Gelassenheit. Es geht immer um die Sache, man muss niemanden etwas beweisen, jeder in der Gruppe will das Ziel erreichen. Das eigene Ego und die eigene Eitelkeit zähle ich hier zu den größten Übeln.


DP: Wolfgang Döbereiner sagt, man könne nur seine Anlagen umsetzen und bekommt dann ein Ergebnis.
Stefan Glowacz: Ja, das ist so. Aber ich kann an meinen Eigenschaften, an meinen Anlagen auch arbeiten. Um eine Charaktereigenschaft, z.B. die Unverbindlichkeit, zu verändern, braucht es einen Sinn. Wenn es einen Sinn ergibt, etwas zu verändern oder als neuen Teil in mein Leben dazuzunehmen, fällt es leicht an der eigenen Persönlichkeit zu arbeiten. Womit wir wieder beim Anfang sind. Aus Veränderung besteht das Leben.


DP: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg weiterhin bei deinen Projekten!


Carola Beer

Stand: 24.10.2017

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